Drei Fragen an...
... Matthias Hintenaus, Managing Director Northern & Central Europe von Atempo, und Ralf Kuron, Portfolio & Business Development Manager Outsourcing Services bei Hewlett-Packard GmbH
Die Datenflut steigt weiter – und damit die Speicherkapazität in den Unternehmen. Rund 1.642 Petabyte Festplattenkapazität wurden IDC zufolge allein im 1. Quartal 2008 weltweit ausgeliefert – ein Zuwachs um 51,8 Prozent gegenüber 2007. Und die meisten Daten müssen auch gesichert werden – was die Betriebe vor immense Herausforderungen stellt.
Einerseits stößt die klassische Datensicherung auf Magnetband schnell an Grenzen, werden nicht innovative Technologien wie LTO4, Virtual Tape oder Disk-to-Disk-to-Tape eingesetzt, die das für Backup erforderliche Zeitfenster (und damit die Offline-Zeiten) im Rahmen halten. Andererseits kann auch die schnelle Recovery im Störungsfall schwierig werden.
Hier versprechen die Hersteller nun mit einer neuen Generation von Online-Backup-Services Abhilfe, die teure Investitionen in die Modernisierung der Speicher-Peripherie ebenso erübrigen wie Transport, Lagerung und Management der Sicherungsdaten. Die Sicherung erfolgt z.B. über schnelle DSL-Leitungen in das RZ eines Dienstleisters, der Backup und Recovery als Full-Service anbietet. In IT-MITTELSTAND erläutern zwei Experten, für wen ein solcher Service nützlich sein kann.
ITM: Worin sehen Sie – im Vergleich zur klassischen Datensicherung auf Magnetband – die Hauptvorteile eines Online-Backup-Services für Mittelständler?
Matthias Hintenaus (Foto rechts): Online-Backup bietet mittelständischen Unternehmen sicherlich einige Vorteile wie geringeren IT-Aufwand und Kosten und schnelle Datenverfügbarkeit ohne Produktivitätseinbußen der eigenen Mitarbeiter.
Online-Datensicherung als Service ist jedoch nur unter bestimmten Umständen dem klassischen internen Backup auf Tape-Libraries – oder auch auf Disk-Systemen bzw. hybriden Lösungen – vorzuziehen. Es lohnt sich für ein Mittelstandsunternehmen sicherlich nicht, bei einer etablierten Backup-Infrastruktur komplett auf einen Online-Anbieter umzusteigen. Hinzu kommt, dass Branchen mit erhöhten Sicherheitsanforderungen wie im Banken-, Versicherungs- oder Gesundheitswesen zögern werden, die Sicherheit unternehmenskritischer Daten uneingeschränkt in die Hände eines externen Dienstleisters abzugeben.
Der Einsatz guter Backup- und Recovery-Software bietet bereits heute Unternehmen den Vorteil, ihre Disk- und Tape-Speicher effektiver zu nutzen und damit auf uneingeschränkte Mitarbeiterproduktivität, schnelles Recovery und minimalen IT-Aufwand nicht verzichten zu müssen. Denkbar wäre auch ein kombiniertes Modell, das die Online-Sicherung unstrukturierter Daten vorsieht, während strukturierte Daten weiterhin im eigenen Haus geschützt werden. Denn Vorteile hat Online-Backup durchaus – von geringerem Aufwand im Hause über weniger Investitionen in Hard- und Software bis hin zu festlegbaren Service- Level-Agreements. Bereits heute setzen Outsourcing-Unternehmen erfolgreich unsere Software Time Navigator für Online-Sicherungen ein.
Ralf Kuron: Die klassische Datensicherung auf Magnetbändern ist oft eine unliebsame Notwendigkeit in der IT mittelständischer Unternehmen. Nicht immer werden hier die technischen Möglichkeiten vollständig genutzt, die Prozesse inklusive des Restores nicht immer optimal gelebt. Die Handhabung von Bändern ist als solche fehlerträchtig, zudem wird die bandbasierte Verschlüsselung selten genutzt, obwohl Bänder auch an Dritte zum Transport oder zur Lagerung übergeben werden. Auch die Datensicherung in Außenstellen ist häufig nicht im besten Zustand, ganz zu schweigen vom eventuellen Restore.
Grundsätzlich ist also ein spezialisierter Backup-Fullservice ein guter Ansatz, diese Probleme zu vermeiden, da hierbei ein Dienst mit definierten Leistungs-Parametern zur Verfügung steht. Wenn es darum geht, mehrere Unternehmensstandorte und auch einzelne mobile Mitarbeiter-PCs mit einem
Backup-Service zu versorgen, dann ist ein Online-Backup-Service ein sehr guter Ansatz. Hierbei werden Daten aus definierten Standorten und Systemen über das Netzwerk eingesammelt, komprimiert, verschlüsselt und an ein sicheres externes Backup-Center gesendet und bei Bedarf flexibel wieder zurückgespielt.
ITM: In welchen typischen Einsatzszenarien kommen diese Vorteile zur Geltung?
Ralf Kuron: Je mehr zu sichernde Daten räumlich verteilt sind, desto signifikanter sind die Vorteile des Online-Backups. HP hat hier mit dem Electronic Vaulting Service (EVS) eine attraktive Lösung anzubieten. Ein ebenfalls sinnvoller Weg ist die räumliche Zentralisierung von Daten in ein Rechenzentrum, etwa durch Einsatz von Terminal-Servern.
Natürlich stellt dies erhöhte Anforderungen an Verfügbarkeit und Service-Zeiten, die für Mittelständler nicht immer einfach zu erfüllen sind. Ein Outsourcing von RZ-Leistungen inklusive des Backups an einen spezialisierten Hoster ist dann eine sinnvolle Überlegung. Da Mittelständler oft eine erhöhte Flexibilität bei der Bereitstellung unterschiedlicher Leistung über variable Zeiträume benötigen, wäre auf entsprechende Angebote hierzu zu achten, die im Vergleich zur Eigenerbringung echte Mehrwerte liefern.
Matthias Hintenaus: Vorteile bietet Online-Backup vor allem, wenn das Unternehmen mit einem hohen Anteil an Außendienstlern oder Homeoffice-Mitarbeitern arbeitet. Für derartige Strukturen entwickelte Atempo Live Backup, eine Backup- und Recovery-Software, die Unternehmensdaten durch die Technologie der kontinuierlichen Datensicherung (Continuous Data Protection, CDP) auf PCs und Laptops automatisch sichert und sie über Internet oder WLAN an den Netzwerkspeicher weiterleitet.
Daten auf mobilen Endgeräten können dadurch schnell, komfortabel und kostengünstig gesichert werden – egal ob zu einem internen RZ oder zu einem Outsourcer hin gesichert wird. Gerade im Hinblick darauf, dass in Unternehmen mehr Daten mobil unterwegs sind als im RZ selbst. Hat ein Unternehmen z.B. nur 50 Laptops im Einsatz mit etwa 100 GB Daten, kommen da schon 5 TB an Daten zusammen. Dabei spielen auch die Sicherheitsrisiken eine große Rolle.
ITM: In den Jahren 2000 bis 2003 war viel von Storage als Service oder von Online-Speichern die Rede. Unter welchen Bedingungen kann diese Technologie ein Revival erleben – auch als Ergänzung oder Erweiterung des Online-Backup?
Ralf Kuron: Wir würden nicht von einem Revival sprechen, da die Nachfrage nach solchen Lösungen seitdem kontinuierlich zugenommen hat. Mit unseren neuen „Utility Sourcing Services“ tragen wir diesem Trend Rechnung. Kunden können nicht nur Storage und Backup, sondern z.B. auch Serverleistung, E-Mail, Webservices oder ganze ERP-Systeme als Dienstleistung beziehen und sich aus diesen Service-Bausteinen individuelle Lösungen zusammenstellen.
Die Vorteile dieses Modells liegen auf der Hand: IT-Fixkosten und Kapitalbindung entfallen, da IT-Ressourcen ausschließlich zu variablen Kosten verbrauchsabhängig abgerechnet werden. Die Bezugsmengen und damit die Kosten lassen sich innerhalb von sehr kurzen Zeiträumen hoch- oder herunterskalieren. Zudem können mittelständische Firmen dadurch ihr Rating im Rahmen von Basel II verbessern, da Investitions- und Betriebsrisiken mit den variabel beziehbaren RZ-Services gesenkt werden.
Matthias Hintenaus: Im Grunde genommen verbirgt sich hinter den Begriffen Storage als Service und Online-Speicher das gleiche Prinzip wie beim Online-Backup. Bei allen drei Konzepten wird der Vorgang der Datensicherung ausgelagert und die Daten über eine Webverbindung auf den Speicherplatz des Dienstleisters aufgespielt. Bei einem Datenverlust im RZ des Unternehmens durch menschliche Fehler, System-Crashs, Angriffe oder Naturkatastrophen können die Daten einfach und schnell wiederhergestellt werden.
Natürlich haben sich seit 2000 die Möglichkeiten des Online-Backups und -Restores wesentlich verbessert. So profitieren die Unternehmen heute z.B. von einer höheren Netzwerkbandbreite zu geringeren Kosten und mehr Netzwerksicherheit als noch vor einigen Jahren. Damit hat sich die Qualität der Dienstleistung deutlich verbessert. Das bedeutet einen Mehrwert für die Unternehmen, denn der Speicherplatzbedarf steigt Jahr für Jahr immer mehr an.
Titelinterview
mit Dr.-Ing. Eggert de Weldige, Technischer Geschäftsführer der Maschinenfabrik Köppern, und IT-Leiter Andreas Engelbrecht
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