Michael Braun, Inubit AG und Klaus Wenger, JDA Software
Drei Fragen an...
Das Supply-Chain-Management (SCM) ist eine Kernaufgabe der Logistik – und damit aller produzierenden und handelnden Unternehmen.

Michael Braun, Inubit AG
Es geht um Planung, Abwicklung und Kontrolle der entsprechenden Prozesse, von der Lieferantenwahl und Beschaffung über Transport und Lagerung bis hin zu Qualitätsmanagement und Rechnungsstellung. Meistens sind in eine Lieferkette eines Unternehmens mehrere Partner involviert, deren Zusammenarbeit es zu koordinieren gilt. Lieferanten, Händler, Speditionen und Kunden profitieren von einer guten Zusammenarbeit, weil heute nicht mehr Einzelunternehmen, sondern vernetzte Lieferketten miteinander konkurrieren.
Die Integration und Koordination der Mitglieder eines solchen Systems „Lieferkette“ übernimmt das SCM, wofür bereits seit Anfang der 90er-Jahre unterstützende Software entwickelt wird – ursprünglich für Großkonzerne. Wir haben bei zwei Experten nachgefragt, inwiefern solche Lösungen mittlerweile im Mittelstand angekommen sind.
ITM: Wo sehen Sie die größten Vorteile für den Einsatz moderner Software für das SCM mittelständischer Unternehmen?
Michael Braun: Die letzten Jahre haben gezeigt, wie schnell Phasen des wirtschaftlichen Auf- und Abschwungs aufeinanderfolgen können. Dies verlangt produzierenden Unternehmen aufgrund der schwankenden Absatzlage enorme Fähigkeiten ab, was Produktions-, Beschaffungs- und Vertriebslogistik angeht. Die Prozesse in diesen Bereichen müssen sowohl hocheffizient als auch flexibel gestaltbar sein, was teilweise zu Zielkonflikten führt. Dieser Spagat ist ohne moderne Software nicht zu erreichen.
Geschäftsprozesse leben also und dürfen nicht als statische Gebilde betrachtet werden. Gerade im Umfeld mittelständischer Unternehmen mit geringer Personaldecke und eingeschränkten Ressourcen ist es wichtig, schnell und kostengünstig auf sich verändernde Rahmenbedingungen reagieren zu können. Die Praxis zeigt aber, dass die Abbildung von neuen Geschäftsprozessen innerhalb von monolithischen Applikation sehr langwierig und teuer ist, und somit gerade in der mittelständischen Wirtschaft Wettbewerbsvorteile verloren gehen.
Hier kommen Software-Lösungen für Business Process Management (BPM) ins Spiel, die verteilte und heterogene Systeme miteinander verbinden und die erforderliche Flexibilität zur kontinuierlichen Anbindung neuer Systeme oder Prozesse mitbringen. Um Abläufe stets an neue Begebenheiten anpassen zu können, stellen BPM-Lösungen Geschäftsprozesse in den Vordergrund, ermöglichen ihre flexible Modellierung und agile Ausführung und gewährleisten eine stete fachliche Überwachung und Verbesserung.
Klaus Wenger: Die heutigen Supply-Chain-Planungslösungen helfen mittelständischen Unternehmen vorauszuschauen und bessere Entscheidungen zu treffen. Sie verbessern die zur Unterstützung des Wachstums notwendige Produktivität und den Cashflow. Durch das frühzeitige Abschätzen der Nachfrage können Mittelständler ihre End-to-End-Effizienz erhöhen, operative Risiken minimieren und ihre Absatzwege ausdehnen. Unser Kunde Goya Foods, konnte die Produktivität der Supply-Chain-Planung um 700 Prozent steigern, die Servicelevels verbessern, die Supply Chain durch eine verkäufergesteuerte Regalauffüllung erneuern und das Produktportfolio um Produkte mit kurzer Haltbarkeitsdauer erweitern.
ITM: Wie lässt sich auch die dispositive Ebene der Logistik mittels Software optimieren, ohne von deren Komplexität und Kosten überfordert zu werden?
Wenger: 1. Durch das Anwenden in der Cloud lässt sich das Potential einer Supply Chain-Planungssoftware nutzen, ohne diese selber zu installieren. Dies verhindert eine Belastung des IT-Fachbereichs durch das Erlernen einer neuen Technologie zur Unterstützung der Unternehmensprozesse. JDA bietet eine Cloud-basierende Lösung für Mittelständler, die dabei hilft, eine Supply-Chain-Implementierung zu beschleunigen.
2. Durch die Zusammenarbeit mit einem strategischen Partner, der Best Practices bereitstellt und einen Ansatz zur vorausschauenden Implementierung verfolgt, um mit Lösungen, die sich bei Unternehmen der jeweiligen Branche bewährt haben, zum Erfolg zu kommen.
Mittelständler können Störungen ihres täglichen Geschäftsbetriebs und den nicht unbedingt erforderlichen Einsatz der eigenen IT-Ressourcen vermeiden, indem sie auf Experten der Solution Provider vertrauen, die entsprechende Software für sie einsetzen. Eine solche Lösung kann in nur vier Monaten realisiert werden.
Braun: Die aktive Einbindung der Logistik erfolgt heute leider nur rudimentär. Zwar sind die Prozesse zwischen Kunden und Lieferanten inzwischen vielfach vollautomatisiert, jedoch ist die dispositive Einbindung der Logistiker nicht vorhanden. In der Praxis findet man hier immer noch häufig papierbasierte Verfahren, oder die Kommunikation erfolgt auf Zuruf. Zentraler Punkt ist es also, eine gemeinsame Informations- und Kommunikationsplattform zu schaffen, bei der auch ein Logistiker sofort über aktuelle Veränderungen informiert wird bzw. aktiv eingebunden ist. Umgekehrt müssen Lieferant und Kunde jederzeit über die aktuellen Stati von Lieferprozessen informiert werden. Studien belegen, dass diese „Supply Chain Visibility“ als wichtige Aufgabe erkannt wurde. Entsprechende Konzepte können hier helfen.
Bezüglich der Komplexität und Kostenaspekte beim Erstellen solch eines durchgängigen Logistikportals heißt die Antwort Eigenleistung. Dinge, die man in Eigenleistung umsetzt, die versteht man auch. Mit zunehmendem Verstehen kann man sich dann komplexeren Herausforderungen stellen. Somit ist es möglich, die Komplexität selbst zu steuern. Steuern lässt sich bei diesem Vorgehen auch der Kostenaspekt, der ebenfalls den Gegebenheiten angepasst werden kann. Die neueste Generation von BPM-Lösungen versetzt Fachanwender in die Lage, z.B. durch leicht verständliche Notationen wie BPMN-Prozesse selbst zu modellieren und zu definieren und sehr nahe an der Problemlösung mitzuarbeiten.
ITM: Welche Rolle können in der Logistik innovative Technologien spielen – z.B. der Einsatz mobiler Endgeräte?
Braun: Die Einbindung innovativer Technologien, wie z.B. der Einsatz mobiler Endgeräte, wird künftig eine wichtige Rolle in der Gestaltung von flexiblen Supply-Chain-Verfahren spielen. Hierbei wird es nicht nur um die Erfassung und Übermittlung von Daten gehen, sondern auch darum, Geschäftsprozesse aktiv und in Echtzeit zu überwachen und die Endanwender, die nicht vor dem Rechner sitzen, über Aufgaben in die Geschäftsprozesse einzubeziehen.
Bei der Einbindung verschiedenster Technologien kommt es darauf an, auf die richtigen Standards zu setzen, um in der Supply Chain nicht isoliert zu sein. Software, die flexibel in der Verarbeitung diverser Standards ist, dabei die für die Logistik typischen Techniken wie RFID, Barcodes und 2D-Barcodes und Mobile Devices unterstützt und die Anforderungen des gesamten Prozesslebenszyklus berücksichtigt. Moderne BPM-Software kann dies leisten.
Wenger: Diese neuartigen Technologien bilden eine exzellente Plattform, um Mittelständlern in Echtzeit einen Überblick über Performance, Ereignisse, Ergebnisse und Eskalierungen zu geben, so dass sie reaktionsschnell Entscheidungen treffen können, um den Kundenservice und eine effiziente Supply Chain aufrecht zu halten.
Während diese Technologien die Schnittstelle zwischen Information und Nutzer bilden, ist eine grundlegende Supply-Chain-Planungs- und -Optimierungsplattform erforderlich, um Daten von einem solchen User-Interface zu erhalten oder einzuspeisen. Unternehmer müssen daher in erster Linie in eine passende grundlegende Lösung zur Planung und Optimierung der Supply Chain investieren – und können sich dann der spannenden Welt interaktiver elektronischer Geräte zuwenden.
Titelinterview
mit Ralf Ahamer, Vorstand der Hotel.de AG
Software
DMS: Durchblick im Dokumenten-Dickicht
Infrastruktur
Sicherheit: Ausspioniert und ausgeraubt!
Interview mit Ralf Ahamer, Vorstand der Hotel.de AG für Marketing, Produktmanagement und IT über über den Einfluss von Mobilität und Social Media auf das Konsumentenverhalten... mehr lesen »
Die Informationsflut in den Unternehmen steigt ununterbrochen. Auch Mittelständler haben mit
ihr zu kämpfen und setzen vermehrt auf ent-
sprechende Dokumentenmanagementsysteme (DMS). Doch was ist hier sinnvoller – der Einsatz einer Inhouse-Lösung oder die Cloud-Variante?... mehr lesen »
Nicht nur für Großkonzerne, sondern auch im Mittelstand stellt das Thema Industriespionage ein immer größeres Problem dar. Warum gibt es noch immer so viele Sicherheitslücken in der Unternehmens-IT und wo kommen die Angreifer her?... mehr lesen »
















