28.06.2012
Interview, IT-Dienstleistung

Christiane Aumeier, Verio

„Domain-Umzüge sind standardisiert“

Interview mit Christiane Aumeier, Senior Manager Marketing & PR Europe bei Verio Europe GmbH in Neutraubling


„Meistens treten beim Domain-Transfer Probleme auf, wenn beispielsweise die Daten bei der Registrierungsstelle nicht stimmen“, weiß Christiane Aumeier, Senior Manager Marketing & PR Europe bei Verio Europe GmbH in Neutraubling.

ITM: Frau Aumeier, der Markt wird von Internet-Service-Providern (ISP) regelrecht überflutet. Wie ist es da noch möglich, sich gegenüber der Konkurrenz abzuheben?
Christiane Aumeier:
Qualität bei Service und Technik sind im Hosting-Markt vielerorts keine Selbstverständlichkeit. Durch die unproblematische telefonische Erreichbarkeit von Mitarbeitern in allen kundenrelevanten Abteilungen hebt man sich als verlässlicher Hosting-Partner deutlich ab. Verio legt in der Partner- und Direktkundenbetreuung großen Wert auf persönlichen Kontakt. Die Mitarbeiter werden regelmäßig geschult und bestmöglich gefördert, so hat Verio kaum Fluktuation im Personal. Für dauerhafte Partnerschaften mit Kunden und Resellern ist neben der finanziellen Stabilität des Hosters die Konstanz in der Belegschaft von allergrößter Bedeutung.

ITM: Was sind die typischen Aufgabenfelder eines Internetdienstleisters?
Aumeier:
Ein Webhoster bietet Domain-Services und verschiedene Hosting-Lösungen für unterschiedlichste Kundenbedürfnisse. Diese reichen von kleinen Lösungen mit Homepage-Baukastensystem über technisch anspruchsvollere Shared-Hosting-Lösungen auf verschiedenen Plattformen bis hin zu größeren Lösungen auf der Basis von virtuellen oder auch Dedicated-Servern. Bei Verio sind zusätzlich noch eine Terminplanungs- und Online-Shop-Lösung erhältlich. Hinzu kommt eine steigende Anzahl verschiedenster Cloud-Angebote mit zusätzlichen Applikationen.

ITM: Wie äußert sich das derzeitige Interesse von mittelständischen Firmen an Webhosting-Projekten?
Aumeier:
Die eigene Internetpräsenz gehört heute zu den ersten Planungsschritten einer Firmengründung. Meistens entscheidet der verfügbare Domain-Name sogar über den Firmennamen. Ein umfangreiches Hosting-Projekt muss dafür nicht aufgesetzt werden. Es ist heutzutage eigentlich nur für größere Vorhaben notwendig, die sich technisch nicht so ohne weiteres umsetzen lassen. Für die meisten Anwender sind pauschale Hosting-Angebote deshalb völlig ausreichend. Verios Easyhosting-Produkte Page-it, Estore und Eplanner bieten beispielsweise einen unkomplizierten Einrichtungsassistenten, mit dem Anwender ohne HTML- oder Programmierkenntnisse Webseiten mit professionellem Aussehen erstellen können. Es muss keine Software installiert werden, da alles über den Internetbrowser abgewickelt wird. Trotz zahlreicher Gestaltungsvorlagen bleibt für Könner jede Menge Flexibilität durch frei platzierbare Elemente und Anpassungsmöglichkeiten.

ITM: Mit welchem zeitlichen, personellen und finanziellen Aufwand sind jene Projekte i.d.R. verbunden?
Aumeier:
Alle individuell auf einzelne Kundenanforderungen zugeschnittenen Kundenprojekte unterliegen im Regelfall den marktüblichen Stundensätzen von Agenturen oder Programmierern. Beim dedizierten Hosting müssen je nach Anforderung noch Betriebs- und Wartungskosten mit einkalkuliert werden.

ITM: Welche Abrechnungsmodelle und Vertragslaufzeiten gibt es?
Aumeier:
Bei Verio hat der Kunde die Wahl zwischen drei Monaten und zwölf Monaten Vertragslaufzeit, wobei die zwölfmonatige Vertragslaufzeit einen günstigeren Monatspreis bietet. Rechnungen über 100 Euro netto werden monatlich abgebucht, darunter wird quartalsweise abgerechnet. Kunden, die sich für eine Jahresrechnung entscheiden, gewähren wir 8,33 Prozent Rabatt auf das Hosting-Produkt, das entspricht einer Monatsrechnung.

ITM: Unter welchen Umständen kann der Anwender bereits vor Vertragsende den Provider wechseln?
Aumeier:
Eine Domain kann jederzeit umgezogen werden – unabhängig vom Hosting-Vertrag. Die Inhalte liegen dann beim neuen Provider. Die Hosting-Vertragslaufzeit bleibt aus Abrechnungssicht bis zu ihrem Ende bestehen und ist dann bei fristgerechter Kündigung beendet.

ITM: Was sind typische Gründe für einen Providerwechsel?
Aumeier:
Kunden, die zu Verio wechseln, nennen oft Gründe wie die Nichterreichbarkeit der Server und des Supports oder eine ungenügende Kompetenz des Supportteams. Auch unerwünschte Werbeeinblendungen oder technische Restriktionen für Entwickler können ein Grund für einen Providerwechsel sein. Nicht zuletzt zwingt die Insolvenz eines Anbieters zum Wechsel.

ITM: Welche Hausaufgaben haben Anwender und Anbieter zu erledigen, damit ein Wechsel reibungslos über die Bühne geht? Welche einzelnen Schritte sind notwendig?
Aumeier:
Der Anwender sollte den Vertrag zuerst kündigen, die Domain umziehen sowie alle Inhalte des alten Accounts sichern, damit sie auf den neuen Account eingespielt werden können. Es sollte beachtet werden, dass die E-Mail-Adresse unter Umständen vorübergehend nicht erreichbar ist, wenn sie identisch mit der umzuziehenden Domain ist. Der alte Anbieter muss den so genannten „Authcode“ zusenden und später den Account löschen. Der neue Anbieter muss dem Kunden einen Account einrichten.

ITM: An welchen Punkten treten häufig Probleme auf?
Aumeier:
Meistens treten beim Domain-Transfer Probleme auf, wenn beispielsweise die Daten bei der Registrierungsstelle nicht stimmen und so eventuell der Authcode nicht an den Admin-c der Domain zugestellt werden kann. Mancher Hoster hält auch den Authcode unrechtmäßig zurück, wenn beim Kunden beispielsweise noch Rechnungen offen sind.

ITM: Inwiefern gibt es bereits Standardisierungen, die einen Umzug – nicht nur der Domain, sondern mit sämtlichen Inhalten – erleichtern?
Aumeier:
Domain-Umzüge sind standardisiert. Ein Hosting-Umzug sollte zum Großteil mit dem Sichern und Aufspielen aller Daten auf den neuen Speicherplatz erledigt sein. E-Mail- und Passworteinstellungen müssen nach dem Umzug genauer geprüft und eventuell neu eingestellt werden. Die Hosting-Angebote der Provider unterscheiden sich jedoch in sehr vielen Punkten. Jedes gut informierte Supportteam weiß natürlich genau, worauf der neue Kunde bei welchem Umzugsschritt achten muss, damit später nichts schief geht.

ITM: Was versteht man in diesem Zusammenhang unter der Konnektivitätskoordination?
Aumeier:
Die Konnektivitätskoordination ist die inzwischen veraltete Ausdrucksweise bei der Denic-Registrierungsstelle für einen Providerwechsel mit einer .de-Domain. Das gibt es in dieser Form nicht mehr, seit der Authcode eingeführt wurde. Der Code verfällt aus Sicherheitsgründen nach spätestens 30 Tagen automatisch. In diesem Fall muss für den Providerwechsel ein neuer Authcode angefragt werden, wodurch Gebühren beim derzeitigen Provider entstehen. Bei Verio kann der neue Account zuerst eingerichtet und zum Abschluss der Authcode nachgereicht werden, sobald die Vorbereitungen abgeschlossen sind und alles für den Domain-Umzug vorbereitet ist.

ITM: Welche Absicherung/Rechte hätte ein Anwender, wenn der Webhoster aus unvorhersehbaren Gründen seinen Betrieb einstellt?
Aumeier:
In Bezug auf Domain-Namen sollten die AGB des Webhosters genaue Informationen zum Vertragsverhältnis bieten. Bei Verio werden Domains ausnahmslos auf den Kunden eingetragen. Beim Hosting regelt ein Insolvenzverwalter die weitere Abwicklung bis zum vollständigen Einstellen der Geschäftstätigkeit. In dieser Abwicklungsphase sollte der Kunde aus rechtlicher Sicht die Möglichkeit haben, mit seinen Inhalten zu einem neuen Hoster umzuziehen. Offene Rechnungen des Kunden müssen natürlich vorher beglichen werden. Ein Hoster, der trotz AGB-Zusicherung seine Leistungen nicht erbringt, kann dafür auch belangt werden.

ITM: Wie wird sich der Hosting-Markt Ihrer Ansicht nach in den nächsten zwei bis drei Jahren entwickeln?
Aumeier:
Alle Hosting-Produkte werden sich immer mehr in die Cloud verlagern. Viele Kunden legen schon heute großen Wert auf Mobilität, Flexibilität und eine leistungsbezogene Abrechnung. Diese Möglichkeiten bietet Cloud-Hosting.


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