01.01.2007
Software, Aktuelle Ausgabe

Die Mischung macht's

Open-Source- und Freeware-Produkte sind in aller Munde. Doch was steckt wirklich dahinter? Und wie bewähren sich solche frei programmierbaren Softwareprodukte in der Wirtschaft?


Es kommt bei Open Source auf die Kundenbedürfnisse an, denn nicht jeder Anwender wolle und könne sich kompetent mit dem Quellcode eines Produktes auseinandersetzen, erklärt  Jürgen Bohrer, Geschäftsführer des Open Source-Anbieters Case aus Hannover. So bieten die Niedersachsen denn auch die selbst entwickelte ERP-Software in drei verschiedenen Versionen an: als unfreie und freie Software sowie als Open Source-Produkt. „Gerade im Bereich ERP-Systeme ist das Thema Open Source grundsätzlich mit Vorsicht zu genießen, da diese Art von Anwendungssoftware Ablaufsicherheit und Garantien erfordert. Schließlich dürfen die betrieblichen Prozesse zu keinem Zeitpunkt gefährdet werden. Daher haben wir die Erfahrung gemacht, dass Kunden gut damit fahren, in Abstimmung mit uns nur bestimmte Teile selbst in die Hand zu nehmen “, ergänzt Bohrer. Erfahrungen mit mit freier ERP-Software hat das Unternehmen August Strothlücke GmbH & Co. KG, ein Wurstwarenhersteller aus Verl bei Gütersloh, gesammelt. Man hat an dem Produkt k-melion in einem Teilbereich selbstständig Veränderungen vorgenommen. Primär betrifft das den Bereich der statistischen Auswertungen. Hierzu hat man teilweise die vorhandenen Routinen ausgeschaltet und durch eigene ersetzt – und ist damit in der Lage, spezielle Auswertungen zu erstellen, die individuell auf das Informationsbedürfnis der Mitarbeiter abgestimmt sind. „Dabei spielten vor allem wirtschaftliche Beweggründe eine Rolle“, erklärt Jochen Enste, Prokurist der August Strothlücke GmbH & Co. KG. „Denn zum Zeitpunkt der Installation der Software war schlicht noch nicht klar, wie das Informationsbedürfnis unserer Mitarbeiter aussehen würde. Daher konnten wir auch kein konkretes Budget  bereitstellen.“

Schulung und gute Beratung zählen

„Unsere IT-Mitarbeiter wurden zusätzlich in der Verwendung der ausgewählten Software-Produkte geschult, so dass wir gut gerüstet an diese neue Aufgabe gingen.“ Mittlerweile verfügt das Unternehmen über eine umfangreiche und stets wachsende Anzahl eigener Auswertungen – integriert in die ERP-Software k-melion, erklärt Jochen Enste.
„Diese Kombination aus kostengünstiger Standardlösung mit eigenen Handlungsmöglichkeiten passt für unser Unternehmen“, zieht Enste Bilanz. „Wir profitieren von den wertvollen Erkenntnissen aus Unternehmen anderer Branchen, die in die weitere Softwareentwicklung einfließen und uns im Rahmen unseres Wartungsvertrages wieder zu gute kommen. Bei der Anwendung der Warenwirtschaftssoftware stehen wir regelmäßig im Austausch mit dem Anbieter. Dadurch entstehen nicht nur neue Ideen, sondern vor allem eine ständig steigende Qualität der Softwarelösung.“

Glossar
Unfreie Software: Hier bestehen keine Änderungsmöglichkeiten durch den Anwender selbst – ausschließlich durch den Autor.
Freie Software (Freeware): Hier stehen Teile der Anwendung im Quellcode zur Verfügung. Änderungen müssen entsprechend der GNU-GPL (General Public License) gemeldet werden. Eine Weitergabe der geänderten Version ist in der Regel unbeschränkt möglich.
Open Source: Bei dieser Software-Version steht die Anwendung umfänglich im Quellcode zur Verfügung. Die Open Source Initiative (OSI) wendet den Begriff auf alle
Softwareprodukte an, deren Lizenzverträge den folgenden drei charakteristischen Merkmalen entsprechen:
1. Die Software (d.h. der Quelltext) liegt in einer für den Menschen lesbaren und verständlichen Form vor.
2. Die Software darf beliebig kopiert, verbreitet und genutzt werden.
3. Die Software darf verändert und in der veränderten Form - ohne Lizenzgebühren  – weitergegeben werden.


Aktuelle Ausgabe

Titelinterview
mit Dr.-Ing. Eggert de Weldige, Technischer Geschäftsführer der Maschinenfabrik Köppern, und IT-Leiter Andreas Engelbrecht

IT-Finanzierung
Althardware als Finanzierungsquelle

Virtualisierung
Weiter auf Wachstumskurs