04.08.2011
Branche, Energieeffizienz

Peter Dümig, Dell

Die Energiekette im Auge behalten

Interview mit Peter Dümig, Enterprise Solutions Marketing Manager bei Dell


Peter Dümig ist Enterprise Solutions Marketing Manager bei Dell

ITM: Wie kann ein mittelständisches Unternehmen sein Rechenzentrum bzw. seinen Serverraum schnell und ohne große Kosten energieeffizienter machen?
Peter Dümig:
Am Anfang steht eine Bestandsaufnahme, die Schwachstellen ermittelt. Typische Ansatzpunkte sind die Abschaltung nicht mehr benötigter Systeme, die richtigen Wahl der Temperatur im Serverraum oder auch im gekapselten Rack sowie eine effizient geregelte Luftzu- und -abführung. Auch Virtualisierung ist natürlich ein großes Thema, um den Energiebedarf zu reduzieren.

ITM: Am Markt gibt es dedizierte Software für das Energiemanagement in Rechenzentren. Was können solche Tools leisten?
Dümig:
Die Tools können die Aktivitäten unterstützen, aber letztlich verwalten sie nur die vorhandenen Ressourcen und helfen bei der Optimierung. Wenn es aber bereits beim installierten Equipment wie Server, Storage, Switche, Klimatechnik etc. zu Ineffizienzen kommt, können die Tools keine Wunder bewirken.

ITM: Inwieweit lohnt sich der Einsatz von Tools für das Energiemanagement bereits für mittelständische Unternehmen mit kleineren Rechenzentren bzw. Serverräumen?
Dümig:
Fakt ist: Die meisten Tools sind für größere Rechenzentren prädestiniert und für den typischen Mittelstand in der Regel zu teuer oder zu aufwendig. Es gibt jedoch von verschiedenen Anbietern von Racks und Klimatechnik, etwa von Rittal, Emerson/Knürr oder APC, Management-Software für gekapselte Racks. Allerdings verwalten diese Tools lediglich die Infrastruktur und nicht auch die eingesetzte Hardware.

ITM: Wie kann man im RZ insbesondere in den Bereichen Kühlung und Klimatisierung für sinkende Energiekosten sorgen?
Dümig:
Wichtig ist, die gesamte Energiekette im Auge zu behalten. Ein schönes Rechenbeispiel besagt, dass ein Watt Einsparung bei einem Endgerät im weiteren Verlauf im gesamten Rechenzentrum zu Einsparungen zwischen drei und sechs Watt führen kann. Einen wirksamen Hebel bietet das „Right Sizing“, d.h. wirklich nur die Systeme im Betrieb zu haben, die benötigt werden. Ebenfalls sehr wirksam ist die effiziente Klimatechnik. Unter diesem Aspekt kann auch der vorzeitige Tausch einer Klimaanlage sinnvoll sein. Ein oft vergessenes Element ist die gesamte Netzwerktechnik. Hier lassen sich durch Einsatz moderner Komponenten mit entsprechenden Energiesparmechanismen ebenfalls deutliche Einsparungen erzielen.

ITM: Welche Technologien werden das Rechenzentrum der Zukunft maßgeblich energieeffizienter machen?
Dümig:
Hier gibt es viele verschiedene Ansätze. Geothermie ist der eine Punkt, freie Kühlung zu nutzen, ein weiterer. Dazu kommen gekapselte Systeme (Rechnergänge oder Racks) für ein Maximum an Effizienz. Und schließlich dürfen auch die Entwicklungen hin zu Wasser- oder Flüssigkeitskühlung nicht vergessen werden – auch bei x86 Servern.

ITM: Bitte nennen Sie uns kurz ein Praxisbeispiel, bei dem ein mittelständischer Anwender sein RZ energieeffizienter gestaltet hat? Wie viel Energiekosten konnte er konkret einsparen?
Dümig:
Steinway, Hersteller von Flügeln und Klavieren, hat gemeinsam mit Dell sein RZ mit einer virtualisierten, energieeffizienten IT-Infrastruktur erneuert und erwartet sich davon jährliche Einsparungen von 8.000 Euro. Die Zahl der physikalischen Server wurde um 85 Prozent gesenkt.


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