Die Chemie stimmt
Der Hamburger Chemikalienspezialist Lehmann & Voss & Co. KG ersetzte die hauseigene TK-Anlage durch eine moderne Voice over IP (VoIP)-Lösung.
Das international ausgerichtete Chemieunternehmen Lehmann & Voss & Co. KG (LuV) verfügt über mehr als 150 Lieferantenbeziehungen auf vier Kontinenten sowie eigene Produktion. Der familiengeführte Hamburger Traditionsbetrieb setzt dabei auf standardisierte Prozesse, um seinen Kunden maximale Lieferfähigkeit zu garantieren. Eine hochverfügbare und flexible Kommunikationsinfrastruktur ist für den Mittelständler ebenfalls unabdinglich. Vor diesem Hintergrund wurde die veraltete hauseigene Telefonanlage durch eine moderne VoIP-Lösung ersetzt.
Von dieser Umstellung versprach sich das Unternehmen vor allem eine Kostensenkung sowie eine zukunftsfähige Struktur für seine Kommunikationsanforderungen. Die Wahl fiel dabei auf die „Callmanager“-Technologie von Cisco Systems. „Der Hersteller bot uns das beste Gesamtkonzept. Entscheidend war zudem, dass die Lösung kompatibel mit unseren bestehenden Komponenten war“, erläutert Andreas Willenbockel, Projektleiter bei LuV. Ihm und seinen Kollegen war von vornherein klar, dass sie für die Telefonumstellung einen Experten mit ins Boot holen würden. Dabei entschied sich LuV für den ebenfalls in Hamburg ansässigen Cisco-Spezialisten Avodaq AG. Dessen Kompetenzen im Netzwerkbereich hatte der Chemiespezialist zuvor bereits zu schätzen gelernt. „Das Unternehmen konnte in zurückliegenden Projekten immer wieder sein Know-how beweisen und auch vermitteln. Außerdem überzeugte uns die planerische Sicherheit, mit der das Budget und die Termine eingehalten wurden“, berichtet Willenbockel.
Entscheidend war darüber hinaus, dass der Dienstleister nicht nur Kenntnisse für lokal begrenzte Systeme mitbrachte, sondern auch über Erfahrungen mit standortübergreifenden IP-Telefonie-Projekten verfügte. Dieses Fachwissen war vor allem wegen der internationalen Organisationsstruktur von LuV ausschlaggebend. Denn nachdem der Systemintegrator eine gemeinsame VoIP-Infrastruktur für alle drei Hamburger Standorte errichtet hatte, sollten auch die Auslandsniederlassungen in das firmeninterne Telefon- und Datennetz einbezogen werden. Zunächst wurde der französische Standort in Cherisy bei Paris in das System integriert. Mittlerweile können auch die LuV-Mitarbeiter im italienischen Caronno Pertusella nördlich von Mailand und die Angestellten der englischen Niederlassung in Congleton südlich von Manchester günstig via IP-Telefon mit ihren europäischen Kollegen telefonieren. Derzeit plant das Unternehmen, weitere Standorte in das gemeinsame Netzwerk aufzunehmen.
Mehr Sicherheit bei Störungen
Während früher jede Niederlassung eine eigene Telefonanlage betreiben musste, kann die neue Lösung nun zentral vom Firmenhauptsitz in Hamburg aus verwaltet werden. Die Folge: niedrigere Administrations- und Wartungskosten. Ein weiterer Vorteil des neuen Systems ist die Möglichkeit, die Anlage jederzeit mit zusätzlichen Anwendungen, wie z.B. Videoconferencing, aufzurüsten. Die neue Netzwerkstruktur hatte für LuV jedoch noch einen weiteren Nutzen: mehr Sicherheit gegen Störungen. So werden zum Beispiel ein- und ausgehende Gespräche bei Ausfall des Telefonanschlusses an einem Standort automatisch über verfügbare Anschlüsse am entfernten Standort geführt. Selbst wenn im Katastrophenfall eine Niederlassung samt Rechenzentrum nicht mehr zur Verfügung steht, können jederzeit Telefonate geführt werden. „Wir greifen dafür auf die Cisco Survival Remote Site Telephony (SRST)-Technologie zurück und haben zusätzlich an einem zweiten Standort einen so genannten Cold Standby Callmanager vorgesehen, der auch als Testumgebung genutzt wird“, berichtet Jens-Peter Jacobs, technischer Leiter bei Avodaq.
Den Backup-Aufwand reduziert
Eine ähnliche Strategie verfolgte LuV auch beim nächsten großen IT-Vorhaben: der Vernetzung der zwei Hamburger Rechenzentren am Alsterufer und in Wandsbek. Hier war das Ziel, die Datensicherheit so zu erhöhen, dass selbst der Totalausfall eines gesamten Rechenzentrums keinen Informationsverlust nach sich ziehen würde. Der Betrieb aller unternehmenskritischen Anwendungen ist damit nach maximal 24 Stunden wieder gewährleistet. Die alten Zwei-Megabit-Verbindungen zwischen den Rechenzentren waren diesen Anforderungen bei weitem nicht gewachsen. Wie in vielen Firmen üblich, mussten vor der Umstellung Datensicherungsbänder durch Kuriere persönlich hin und her transportiert werden.
Diese Praxis war Andreas Willenbockel aus Sicherheitsgründen ein Dorn im Auge. Die Lösung: eine synchrone standortübergreifende Datenhaltung (Spiegelung) und -sicherung. Dabei setzte das Chemieunternehmen erneut auf eine Cisco-Lösung in Verbindung mit dem Hamburger Systemintegrator.
Integriert wurde ein flexibles Storage Area Network (SAN), das durch redundante Switches und Anbindungen die Verfügbarkeit sicherstellt. Um die rund zehn Kilometer lange Distanz zwischen den beiden Rechenzentren zu überbrücken, wurde eine eigene Glasfaserverbindung angemietet. Der Mittelständler nutzt diese Leitung exklusiv und kann darüber mehrere Datenströme gleichzeitig in verschiedenen Kanälen mit je ein oder zwei Gigabit pro Sekunde übertragen. Der Vorteil: Neben den IP-Telefonaten laufen auch alle Daten für SAP-Anwendungen, E-Mails und Office-Daten über dieselbe Faser und werden synchron in beiden Rechenzentren gespeichert. Dem Ausfall der Glasfaserverbindung wurde durch das Einrichten eines so genannten Virtual Storage Area Networks (VSAN) vorgebeugt, so dass der Betrieb aller Anwendungen jederzeit sichergestellt ist.
Mit der neuen Lösung ist der Aufwand für das Backupverfahren deutlich gesunken. Zudem sorgt das übergreifende Speichernetz für eine effektivere Ausnutzung der IT-Ressourcen, denn Server- und Speicherkapazitäten sind jetzt vollständig voneinander getrennt. Dadurch müssen Anwenderdaten nicht mehr auf lokalen Festplatten gespeichert werden, sondern stehen in einem gemeinsamen SAN-Pool zentral zur Verfügung. Durch die einheitliche Netz- und Speicheradministration sinken darüber hinaus neben den laufenden Managementkosten auch die Ausgaben für Neuinvestitionen.
Lehmann & Voss & Co. KG
Geschäftsfeld: Vermarktung von chemischen und mineralischen Spezialerzeugnissen
Standort: Hamburg • Gründung: 1894
Mitarbeiter: weltweit 308, in Deutschland 270
Umsatz: 156 Mio. Euro im Jahr 2006 • Internet: www.lehvoss.de
Titelinterview
mit Dr.-Ing. Eggert de Weldige, Technischer Geschäftsführer der Maschinenfabrik Köppern, und IT-Leiter Andreas Engelbrecht
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