23.05.2012
Interview, Enterprise Resource Planning
Von: Hadi Stiel

Meinrad Strobel, Twinsoft

Das Ziel erreichen

IT-MITTELSTAND hat sich mit Meinrad Strobel, Account Manager bei Twinsoft, darüber unterhalten, wie Unternehmen ihre Software-modernisierungsprojekte vorbereiten, planen und durchführen sollten, um die gesteckten Ziele zu erreichen.


„Den Standardanwendungen fehlen meist genau die Funktionen, die das Unternehmen braucht, um auf Prozessebene Mehrwerte zu generieren und sich gegenüber der Konkurrenz abzuheben“, ist Meinrad Strobel, Account Manager bei Twinsoft, überzeugt.

ITM: Herr Strobel, wie sollten Unternehmen in ihr Softwaremodernisierungsprojekt einsteigen?

Meinrad Strobel: Sie sollten zuerst den Statusquo der eingesetzten Programme ermitteln. Von ihm ist es abhängig, welcher Grad an Softwaremodernisierung möglich ist, ohne zu hohe Investitionen und Aufwendungen, sprich: Neu- oder Weiterentwicklungen, tätigen zu müssen. Gerade mittelständische Unternehmen können es sich nicht leisten, im großen Maßstab neu zu programmieren. Im Folgeschritt sollte analysiert werden, welche Programme von der Modernisierung betroffen sind und welche Zielarchitektur für diese Modernisierung sinnvoll ist. Auf dieser konkreten Software- und Architekturbasis können im nächsten Schritt realistische Ziele definiert und eine moderne Ausrichtung der Software vorangetrieben werden, die für das Unternehmen machbar und leistbar ist. Nicht fehlen darf die Ermittlung der organisatorischen Vorbereitungen für die anstehende Modernisierung.

ITM: Was bedeutet dies für das Geschäftsprozess-Soll, das mittels Software umgesetzt werden soll?

Strobel: Es sollte nicht zu ehrgeizig ausgelegt werden. Die Herausbildung durchgehender Geschäftsprozessketten wird nur dort möglich sein, wo das definierte Maß an Modernisierung automatisierte Prozessabfolgen eröffnet. Bei allen anderen Geschäftsprozessen ist das Optimum durch das Mach- und Leistbare begrenzt. Doch selbst dort, wo manuelle Schnittstellen vereinzelt beibehalten werden, kann durch Modernisierung die Effizienz, Effektivität und Flexibilität des Software-Einsatzes deutlich erhöht werden.

ITM: Welche Alternativen hat das Unternehmen, seinen Software-Einsatz zeitgemäßer zu gestalten?

Strobel: Eine Alternative besteht darin, die infrage kommenden Anwendungen komplett neu zu entwickeln, dadurch ein Optimum bei den Geschäftsprozessen zu erreichen. Doch dieses Mammutprojekt dürfte in den meisten mittelständischen Unternehmen den Kosten- und Zeitrahmen sprengen. Auch die Projektrisiken, dass die gesteckten Ziele nicht erreicht werden, fällt bei diesem Wechsel „Alt gegen Neu“ hoch aus.

Der Bezug sogenannter Standardapplikationen von Drittanbietern ist eine weitere Alternative. Er entbindet das Unternehmen zwar weitgehend davon, selbst entwickeln zu müssen. Doch diese Alternative birgt einen gravierenden Nachteil: Den Standardanwendungen fehlen meist genau die Funktionen, die das Unternehmen braucht, um auf Prozessebene Mehrwerte zu generieren und sich gegenüber der Konkurrenz abzuheben. So ist der „Standard für viele“ gerade für mittelständische Unternehmen mit hohem Spezialisierungsgrad mit einem Verlust an Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit verbunden.
Bleibt die dritte Alternative: bestehende Anwendungen mittels Konvertierung auf neue Serverplattformen umzustellen. Diese für mittelständische Unternehmen praktikable Strategie ist nicht nur gut leistbar, sie stützt auch in einem hohen Maße die Modernisierung des IT- und Geschäftsauftritts. Und, ganz wichtig: Wichtige Funktionen, die für das Geschäft und im harten Wettbewerb unverzichtbar sind, bleiben nicht nur erhalten, sie können sogar ausgebaut werden.

ITM: Welche Werkzeuge sind notwendig, um die Modernisierung durch Konvertierung voranzutreiben?

Strobel: Ein erfolgreiches Software-Umstellungsprojekt setzt einen Konverter mit voller Toolbestückung und -unterstützung voraus. Zur Umstellung von Mainframe und Minicomputer auf neue Serverplattformen sollte die Unterstützung sowohl des Online- als auch des Batch-Modus gehören. Mit an Bord sein sollten neben den Umstellungsroutinen, Automatisierungswerkzeuge, Textverwaltungssysteme, Masken-, Dateien- und JCL-Konverter (Job Control Language) sowie Generatoren für Datenverzeichnisse und Tabellen. Wichtig sind außerdem Module zur automatisierten Umstellung der proprietären Datenhaltung auf relationale Datenbanken. Nicht zu vergessen die Masken respektive Frontends in Web-/HTML-Technologie, die Adaptermodule zur Einbindung von Fremdsystemen und die Funktionsmodule zur Transaktionssteuerung.

Generell gilt: Je mehr die Konvertierungslösung Automatisierungs-, Generierungs-, Steuerungs- und Verwaltungsmechanismen integriert und je mehr Schnittstellen sie zur Einbindung von Fremdsystemen vorhält, umso schneller, kostensparender und risikoärmer werden das Software-Umstellungsprojekt und die vorgelagerten Testläufe über die Bühne gehen. Wichtig sind in diesem Zusammenhang auch ein Bibliothekssystem, ein Werkzeug zur Übernahme von Originalsoftwarekomponenten sowie Prozedurschablonen zur Generierung ablauffähiger Prozeduren. Sie minimieren die Umstellungs-, Testaufwendungen und Projektrisiken weiter und beschleunigen das Gesamtvorhaben zusätzlich.

ITM: Wie sollte das Gesamtergebnis einer gelungenen Software-Umstellung auf andere Plattformen aussehen?

Strobel: Die Compiler der neuen Serverplattformen müssen die konvertierten Programme ohne weitere manuelle Anpassungen verarbeiten können. Wichtig dazu sind Adapter und Funktionsmodule innerhalb des Konverter-Toolsets, die selbsttätig die Brücke zu den neuen Datei- und Datenbanksystemen, Masken- und Transaktionssystemen sowie den Systemroutinen schlagen. Außerdem sollten die extern gespeicherten Programmteile als eigenständige Komponenten weiterbestehen. Dann können sie nachträglich und nach Bedarf in die Anwendungen der Zielplattformen einfügt werden. Unverzichtbar ist zudem eine völlige Transparenz über den kompletten Umstellungsprozess. Sie wird über eine automatische Protokollierung sämtlicher Umstellungsschritte mittels Konvertierungslösung erreicht. Die Qualität der Protokollierung mit einer klaren Kennzeichnung des nicht verwendeten und des neu verwendeten Codes legt außerdem die Basis dafür, dass die Programme künftig gezielt, bedarfsorientiert und risikoarm weiterentwickelt und gewartet werden können.

ITM: Ist nicht dieses umfangreiche Konvertierungs-Toolset für mittelständische Unternehmen in der Anschaffung viel zu kostspielig und in der Beherrschung zu schulungsintensiv?

Strobel: Genau deshalb bieten kompetente Beratungs- und Systemhäuser wie Twinsoft das umfassende Toolset sowie das Konvertierungs-Know-how als Dienstleistung an. Das erspart dem mittelständischen Unternehmen die teure Anschaffung und den kostspieligen Aufbau internen Konvertierungswissens. Mittelständische Unternehmen können ihre Software durch Umstellung gezielt modernisieren, ohne dafür Investitionsrisiken eingehen und zu tief in die Tasche greifen zu müssen.


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