27.09.2012
Unternehmen

BlackBerry 10 vs. Windows 8

Das Spiel um den dritten Platz

Das neue iPhone ist da. Doch wirklich spannend wird es, wenn das neue Windows und der neue Blackberry kommen. An ihnen entscheidet sich die Zukunft seiner Hersteller.


Wer landet auf dem dritten Platz?

In wenigen Tagen beginnt das letzte Quartal des Jahres 2012 - die Zeit des Weihnachtsgeschäfts. Euro hin, Krise her - vor allem Mobilgeräte stehen praktisch in jedem Haushalt auf dem Wunschzettel. Deshalb hat jeder wichtige Hersteller ein paar neue Geräte in seinem Portfolio, allen voran Apple mit dem iPhone 5.

Doch in diesem Jahr ist einiges anders als in den vergangenen Jahren, denn für zwei IT-Unternehmen beginnt jetzt die Zeit der Entscheidung. Die nächsten sechs Monate bestimmen darüber, ob der kanadische Konzern RIM überleben wird und ob Microsoft seine marktbeherrschende Position behalten und weiter ausbauen kann.

Von Apple überrollt

Beiden Unternehmen ist gemeinsam, dass sie von der irrsinnigen Entwicklung des Smartphone-Markts durch das Erscheinen des iPhones und später des iPads überrollt worden sind. Noch vor wenigen Jahren hatten sowohl der BlackBerry als auch Smartphones und Handhelds mit Windows Mobile einen deutlichen Marktanteil.

Dabei hatte der BlackBerry immer eine besonders starke Position in Unternehmen, die ihr Management mit solchen Geräten ausstatten wollten. Die Domäne von Windows Mobile war eher das Profi-Handheld für Außendienstler oder Wartungstechniker, denen ein Blackberry nicht ausreicht.

Zudem hatten beide Geräte recht unterschiedliche Konzepte. Der BlackBerry war in erster Linie ein tragbarer E-Mail Client mit Kalender und Telefonie. Geräte mit Windows Mobile dagegen orientierten sich sehr stark am großen Bruder, dem Desktop-PC mit Windows.

Zu ihrer Zeit waren die Windows-Mobilgeräte durchaus sinnreich. So gab es bereits das App-Konzept und eine Vielzahl an Anwendungen aus alten Windows-Tagen finden sich heute noch auf den neuen Smartphones. Allerdings: Windows Mobile war nicht sexy, so dass der Massenerfolg ausblieb.

Die erheblichen Probleme von Microsoft und RIM, sich an die plötzlich veränderten Rahmenbedingungen anzupassen, sind leicht erklärt: Es sind die üblichen Schwierigkeiten großer Unternehmen mit festgeklopften Produktlinien, sich in einem neu entstehenden Markt zu bewegen.

RIM hat sich zu lange auf seinem enormen Erfolg in der Corporate IT ausgeruht. Der Grund: iOS und Android konnten anfangs nicht mal ansatzweise mit den Business-Funktionen und vor allem der Sicherheit des Blackberry mithalten. RIM hat die Geschwindigkeit unterschätzt, mit der sich dies ändert.

Debütanten in der Mobilbranche

Bei Microsoft dagegen liegt der Fall noch ein wenig anders. Das Unternehmen scheffelt mit seinen beiden großen Produktlinien Windows und Office Unmengen Geld. Gleichzeitig versucht es im Markt der Business-Anwendungen Fuß zu fassen. (Und dann ist da noch die Xbox). Daneben war in den letzten Jahren nur wenig Platz für ungewöhnliche Ideen und Anregungen in Richtung Touchscreen.

Es ist nicht so, dass Microsoft das Potenzial dieser Technologie nicht erkannt hätte: Bereits seit Windows XP unterstützt das Betriebssystem den Touchscreen - aber lediglich mit Stiftbedienung. Auch der Begriff des Tablet-PC ist von Microsoft bereits vor einem Jahrzehnt sehr stark propagiert worden.

Leider waren weder die Geräte noch die Windows-Oberfläche attraktiv genug, um dem Markt einen nachhaltigen Impuls zu geben. Dies dürfte der Grund sein, warum alle Anstrengungen in diese Richtung eingeschlafen sind oder abgeschmettert wurden. Außerdem hat niemand mehr daran geglaubt, dass sich hier ein echter Massenmarkt verbergen könnte - siehe die Äußerungen des Microsoft-CEO bei Erscheinen des iPhones.

Diese Entwicklungen haben dazu geführt, dass sowohl RIM als auch Microsoft im Markt für moderne Mobilgeräte (Smartphones und Tablets) nun den Status von Debütanten haben, mit nur wenigen Vorteilen gegenüber einem Startup. Bei RIM ist es in erster Linie die starke Position in den Unternehmen, die allerdings seit einigen Monaten rasant abbröckelt.

Microsoft dagegen hat vor allem den Vorteil der großen Verbreitung der Vorgängersysteme. Außerdem werden neue PC meist mit dem aktuellen Windows ausgestattet. Doch in den Zukunftsmärkten der Smartphones und Tablets gibt es gut etablierte Konkurrenten, deren Qualität die beiden Spätzünder erst einmal ein- und überholen müssen.

In Unternehmen hat sich das iPhone seit einiger Zeit etablieren können. Dies liegt natürlich in erster Linie an dem Image, das damit verbunden ist. Doch inzwischen gehen Experten davon aus, dass ein neues iPhone zusammen mit der entsprechenden Software für Mobile Device Management in Sachen Administration und Sicherheit zum Blackberry aufgeschlossen hat.

Attraktive Apps fördern den Erfolg

Hier muss also der BlackBerry 10 deutliche Vorteile gegenüber seinen Konkurrenten zeigen. RIM hat das neue Blackberry-OS vor einigen Tagen in einer Demonstration kurz vorgestellt. Es ging dabei in erster Linie um App-Entwickler, die mindestens zur Hälfte an einem potentiellen Erfolg des neuen Geräts beteiligt sind. Ohne attraktive Apps wird das System ohnehin scheitern.

Bei den Kanadiern ist eine klare Strategie im Grunde nur zu erahnen. Sie scheinen darauf zu setzen, dass sie mit Business-Smartphones den dritten Platz erreichen können. Leider ist über das neue System nicht viel bekannt und es wird erst im ersten Quartal des nächsten Jahres erscheinen. Möglicherweise hat diese Verschiebung nicht nur technische, sondern auch strategische Gründe: In den letzten beiden Monaten des Jahres dürfte ohnehin Windows die öffentliche Diskussion dominieren.

Microsoft dagegen geht ein extremes Risiko ein und setzt auf die "One OS fits all"-Strategie. Auch hier hängt der Erfolg sehr stark an der Verfügbarkeit von attraktiven Apps. Microsoft hat vorgesorgt, in dem es die Mobil-Apps für alle Windows-Varianten (Windows Phone 8, Windows 8 RT und Windows 8) kompatibel macht. Außerdem liefert es bei der Tablet-Version ein nur wenig eingeschränktes Office mit.

Die neue Touch-Benutzeroberfläche von Windows gilt unter Experten als innovativ und leicht bedienbar. Sie muss sich allerdings bei den Endanwender erst einmal durchsetzen. Einen wichtigen Anteil daran haben auch attraktive und vor allen Dingen schnelle Geräte, die genau an die System-Software angepasst sind. Daran haperte es in der Vergangenheit häufig, da die Hardwarehersteller gern ihr eigenes Süppchen kochen.

Microsoft hat nun die Revolution ausgerufen und wird erstmals Hardware-Hersteller. Mit seinen Microsoft Surface-Geräten, die hochwertiges Design und innovative Ideen (das Tastatur-Cover) verbinden, bietet der Konzern nun ein interessantes Referenzgerät an.

Nun muss der Markt sprechen. Er ist in den letzten zwei Jahren verstärkt durch einige sehr ungute Entwicklungen bestimmt worden. Die "Erbfeindschaft" zwischen Apple und Google sowie die zahlreichen "Stellvertreterkriege" um teils haarsträubend banale Patente verhindern Innovationen und beschädigen das Image der Beteiligten.

Deshalb ist im Grunde beiden Unternehmen ein deutlicher Erfolg zu wünschen. Sollten die zwei Spätzünder gemeinsam ein Fünftel bis ein Viertel des Marktes erobern, könnte eine neue Innovationsrunde auf dem noch jungen Markt für mobile Geräte die Folge sein. Das dürfte sicher interessanter sein, als die nächsten Jahre nur noch iPhones und iPads mit mehr Pixeln und Androiden mit mehr Kernen zu bekommen.

Bildquelle: Ute Pelz / Opens external link in new windowpixelio.de


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