Rud mit neuer Serverlandschaft
Damoklesschwert Backup entschärft
Die Anforderungen und Strukturen des mittelständischen Schneekettenherstellers Rud sind aufgrund weltweit verteilter Konstruktions- und Produktionsstandorte mit denen eines Großunternehmens vergleichbar – auch und gerade im IT-Bereich.

Zum Produktportfolio von Rud gehören neben den Schneeketten auch Rundstahlketten zum Fördern, Heben, Ziehen, Anschlagen und Zurren.
Die SAP-Installation von Rud ist an einen Dienstleister outgesourced, trotzdem laufen im Unterkochener Rechenzentrum 54 virtualisierte Server. Deren Palette reicht von Datenbank-, Lotus-Notes- und Webservern über CRM und Speditionsabrechnung bis hin zu den Servern für die Konstruktionssysteme und die Leitrechner für die Härterei und die Galvanik-Abteilung.
„Wir sind ein mittelständisches Unternehmen“, sagt IT-Leiterin Anita Valentin, „aber wir haben Prozesse und Anforderungen wie ein Großunternehmen. Das drückt sich auch in der IT aus, die zum großen Teil hochverfügbar ausgelegt ist. Wir haben zwei getrennte Rechnerräume in verschiedenen Gebäuden, in denen jeweils dasselbe Equipment steht. Die beiden Rechenzentren sind mit einer Ringleitung verbunden, so dass auch netzwerkseitig Redundanz erreicht ist. Das Damoklesschwert, das bisher über uns hing, war das Thema Backup – es war kaum mehr möglich, die vorhandenen Datenmengen in der Nacht oder am Wochenende komplett zu sichern. Deshalb suchten wir Mitte 2011 eine Lösung, die nicht nur ein schnelles Backup sondern auch ein einfaches und unkompliziertes Wiederherstellen von Daten ermöglichen sollte.“
Systemmanager Michael Schill beschreibt die Rechnerlandschaft: „Auf je zwei Rechnern pro Rechenzentrum laufen die mit VMware vSphere virtualisierten Server, der gesamte Festplattenspeicher ist inzwischen auf einer Netapp-Storagelösung als Metro Cluster konzentriert, die zwischen den beiden Rechenzentren gespiegelt wird. Begonnen hat unsere Zusammenarbeit im Jahr 2006, als wir die erste Virtualisierungslösung implementierten. Wir konsolidierten damals die erwähnten 54 Server auf ESX-Server 3.0 von VMware und installierten dazu einen Metro Cluster von Netapp mit jeweils 2 TByte Fibre-Channel- und Sata-Speicherplatz. Diese Installation lief zufriedenstellend, wobei die langen Backup-Zeiten – das Backup lief klassisch übers Netzwerk – mit der Zeit zum Problem wurden, da wir kaum noch in der Lage waren, ein Backup auf unsere Tape Library in der verfügbaren Zeit nachts oder am Wochenende durchlaufen zu lassen.“
Plattenplatzeinsparung durch Komprimierung
Als nun im Jahr 2011 das Leasing für das NAS auslief, suchten die IT-Verantwortlichen nach einer Nachfolgelösung. Auch das Ellwangener Systemhaus Inneo war in der Angebotsphase beteiligt; mit diesem arbeitete Rud schon viele Jahre zusammen, allerdings im technischen IT-Bereich, wo Inneo die CAD-Installation betreut. Schließlich zeigte es sich, dass das Systemhaus das schlüssigste Angebot gemacht hatte und es bekam den Zuschlag für die Modernisierung der Serverlandschaft. Herzstück des Vorschlags ist eine Nearstore-Lösung mit 35 TByte Speicherplatz, auf der Backups in sehr hoher Geschwindigkeit gefahren werden können. Die erste Backup-Stufe sind Metro-Cluster-Snapshots, die mit Hilfe von Snapmanager konsistent erzeugt werden. Per Snapvault werden diese hochperformant asynchron auf den Nearstore gespiegelt und anschließend einmal pro Woche auf die Tape Library ausgelagert. Die letzten Schritte sind jedoch nicht mehr zeitkritisch und vom produktiven Betrieb abgekoppelt – was bedeutet, dass theoretisch jederzeit ein Backup gefahren werden kann. Der gesamte Festplattenspeicher – 10 TByte Fibre-Channel-Speicher für VMware und 12 TByte Sata-Speicher für Anwenderdaten – ist heute auf dem modernisierten Metro Cluster untergebracht. Dabei nutzt Rud die Netapp-eigene Komprimierung, die Plattenplatz einspart, wie Schill erläutert: „Netapp komprimiert nicht nur, sondern arbeitet mit Deduplikation, das heißt, das System erkennt automatisch, wenn identische Dateien an verschiedenen Stellen des Speichers abgelegt sind, und speichert diese Datei nur einmal physikalisch. Die 2,2 TByte Daten belegen so nur noch 1,3 TByte, im VMware-Bereich beträgt die Einsparung um die 50 Prozent.“
Beruhigendes Alarmsystem
Die Backup-Strategie wird auf dem Nearstore über Skripte definiert. Bei Rud werden von den täglichen Snapshots jeweils der Freitagstand sowie Versionen, die fünf Monate beziehungsweise ein Jahr zurückreichen, aufbewahrt. „Der dreistufige Aufbau des Backups mit Metro-Cluster-Snapshot, Nearstore und Tape Library ist zwar ein hoher Aufwand, aber heutzutage unverzichtbar. Nur so sind wir sicher, dass wir alle Daten gesichert haben und vor allem schnell wiederherstellen können“, sagt Anita Valentin. „Früher sah man nur das ERP-System als geschäftskritisch an, aber heutzutage ist beispielsweis die Kommunikation wie E-Mail oder Fax mindestens gleich kritisch zu sehen. Da ist alles mit allem vernetzt, vom PLM- über das ERP- bis hin zum E-Mail-System – wenn Lotus Notes ausfällt, kann auf dem ERP-System nicht mehr sinnvoll gearbeitet werden. Auch hier oder beispielsweise in der technischen IT ist Hochverfügbarkeit unverzichtbar. Die Anwender fordern zudem schnelle Restores, eine Stunde für die Wiederherstellung kann schon zu viel sein.“
„Eine echte Beruhigung ist das Alarmsystem, das wir bei der Modernisierung implementiert haben“, berichtet Schill aus dem Alltag. „Wir arbeiten mit der Netzwerk- und Infrastruktur-Management-Software OP Manager, die uns per SMS oder E-Mail frühzeitig informiert, wenn ein Engpass entsteht, und für die es ein Netapp-Snapin gibt, so dass ich auf einen Blick sehe, wie der Status unserer IT ist. Es mag sich auf den ersten Blick seltsam anhören, aber ich bin entspannter, wenn ich weiß, dass ein System mir zu jeder Tages- und Nachtzeit einen Alarm schicken kann. Ich weiß dann einfach, dass alles in Ordnung ist, und kann ruhig schlafen.“
Valentin schätzte an der Zusammenarbeit mit dem Systemhaus vor allem die ruhige Art, wie das neue System implementiert wurde: „Da kam keine Hektik auf, sondern das Konzept wurde schrittweise umgesetzt, und die Nearstore-Skripte aufgesetzt. Wir haben in Inneo einen Partner, auf den wir uns verlassen können. Wir bekommen einen Anruf, wenn ein Hotfix eingespielt werden muss, und werden gut informiert. Das Systemhaus unterstützte uns sogar, als wir einen personellen Engpass hatten. Es ist ein beruhigendes Gefühl, auch in dieser Hinsicht ein Backup zu haben.“
Rud Ketten Rieger & Dietz GmbH & Co. KG
- Gründung: 1875
- Hauptsitz: im schwäbischen Aalen
- Mitarbeiterzahl: über 1.500 Mitarbeiter in Produktions- und Vertriebsstandorten rund um die Welt
- Produktpalette: Rundstahlketten zum Fördern, Heben, Ziehen, Anschlagen und Zurren
- Hintergrund: Zum Konzern gehört auch die Erlau AG, die gemeinsam mit Rud Gleitschutzketten – im Volksmund Schneeketten genannt – und Reifenschutzketten anbietet. Zudem produziert Erlau Außenmöbel sowie Stütz- und Haltegriffsysteme für den sanitären Bereich.
Bildquelle: © Rud Ketten Rieger & Dietz GmbH & Co. KG
Titelinterview
mit Dr.-Ing. Eggert de Weldige, Technischer Geschäftsführer der Maschinenfabrik Köppern, und IT-Leiter Andreas Engelbrecht
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