02.08.2012
IT-Dienstleistung, Interviews, Aktuelles, Herausforderungen Lösungsansätze

Barbara Wittmann, Dell Deutschland

Aus weniger wird mehr

Interview mit Barbara Wittmann, General Manager bei Dell Deutschland, über die alltäglichen Nöte und Sorgen mittelständischer Unternehmen hinsichtlich ihrer IT und entsprechende praktikable sowie strategische Lösungsvorschläge.


„In der frühen Phase war seitens der Cloud Anbieter tatsächlich vieles nicht so klar und offen ­geregelt, wie man das zu Recht erwarten konnte“, so Barbara Wittmann, Deutschland-Chefin von Dell.

ITM: Frau Wittmann, welche IT-Herausforderungen sind heute spezifisch für den Mittelstand?
Barbara Wittmann:
Die Verantwortlichen im Mittelstand stehen vor dem Dilemma, dass aufgrund der Unternehmensgröße einerseits nur beschränkte IT- und Personalressourcen zur Verfügung stehen. Andererseits sind die Aufgaben der IT aber gar nicht so anders als in Großunternehmen. Schließlich agiert gerade der deutsche Mittelstand schon lange international und hinsichtlich Produkten und Produktionsverfahren auch auf technisch höchstem Niveau. So unterscheiden sich die Fragestellungen beispielsweise im Bereich Sicherheit nicht wesentlich von anderen Unternehmen. Jedoch kann der Mittelstand eben nicht ein ganzes Team von Experten beschäftigen, um diesen Problemen zu begegnen.

Eine andere Herausforderung besteht darin, mit den beschränkten Ressourcen auch in der IT ein Höchstmaß an Effizienz und Produktivität zu realisieren. Stichworte sind hier insbesondere Virtualisierung, wo der Mittelstand unseren Beobachtungen zufolge schon recht weit vorangekommen ist, und natürlich das Dauerthema Cloud Computing. Auch die Möglichkeit, IT-Leistungen selektiv auszulagern, sollte verstärkt diskutiert werden. So können mittlere Unternehmen beispielsweise die Sicherheit ihrer IT verbessern, indem sie Managed Security Services nutzen.

ITM: In Sachen Cloud Computing ist der Mittelstand eher zurückhaltend. Wie lassen sich solche Vorbehalte nach Ihrer Einschätzung ausräumen?
Wittmann:
Diese Vorbehalte waren meiner Meinung nach gar nicht so unbegründet. Wenn man Daten, die letztlich die Grundlage des eigenen Geschäfts ausmachen, einem Dritten zur Verwaltung, Verarbeitung, Speicherung oder auch nur zur Sicherung überlässt, dann will man ganz genau wissen, wie derjenige damit umgeht. Hier darf sich ein Mittelständler keine Fehler erlauben – und einfach mal ausprobieren, das geht auch nicht. In der ersten Phase war seitens der Cloud-Anbieter tatsächlich vieles nicht so klar und offen geregelt, wie man das zu Recht erwarten konnte. Mittlerweile gibt es unter den Cloud-Modellen auch passgenaue Lösungen für den Mittelstand. Und ich bin überzeugt davon, dass in den nächsten Jahren auch im Mittelstand IT-Lösungen als Service via Cloud genutzt werden. Das wird freilich ein kontinuierlicher Prozess sein.

ITM: Welche Rolle spielen Service und Support speziell für den Mittelstand?
Wittmann:
Aufgrund der limitierten personellen Ressourcen spielen Service und Support stets eine zentrale Rolle für den Mittelstand. Ein großes Unternehmen kann alles in die eigenen Hände nehmen. Ob das in jedem Fall sinnvoll ist, ist eine ganz andere Frage, aber es ist zumindest machbar. Der Mittelstand hat diese Option gar nicht, denn woher sollte er auch die notwendige Erfahrung etwa bei der Im­plementierung von neuen Speichersystemen mit der notwendigen Aufgabe der Daten- und Applikationsmigration haben? Also ist er auf IT-Partner angewiesen, die Know-how und Erfahrung mitbringen. Der Mittelstand braucht Partner, die über Teams verfügen, die schon Hunderte solcher Lösungen implementiert haben, und wissen, was geht und was nicht geht, ohne lange herumprobieren zu müssen.

ITM: Mobile Systeme sind ja zurzeit groß im Gespräch – auch im Mittelstand?
Wittmann:
Auf jeden Fall. Mobile Systeme sind für alle Unternehmen ein wichtiges Thema, weil sie neue Möglichkeiten in der IT-Nutzung ermöglichen. Genau genommen ist Mobilität für die IT ja keine zusätzliche Funktionalität, sondern eine Rückkehr zum Normalzustand. Bisher waren die Systeme bloß nicht in der Lage, ohne feste Verbindungen für Daten und Energie zu funktionieren. Diese Schranke fällt nun weg. Die Anwendungszenarien sind entsprechend vielfältig und reichen vom Versicherungsaußendienst über Kundendienst­techniker bis hin zum Bildungswesen. Gerade der Mittelstand mit seiner Nähe zum Kunden kann sich hier an vielen Punkten einbringen und wir unterstützen dies auch mit unseren Lösungen. Ein Beispiel ist dafür unser Mobile Device Management zur Verwaltung heterogener Umgebungen.

ITM: Was können Sie dem Mittelstand bieten, was die anderen Hersteller nicht können?
Wittmann:
Für uns hat insbesondere das Thema Service eine große Bedeutung und wir haben diesen Bereich in den letzten Jahren durch gezielte Akquisitionen weiter verstärkt. Wir bieten komplette Lösungen an, die einen Aufgabenbereich von Anfang bis Ende abdecken, beispielsweise bei Storage-ystemen und im Netzwerkumfeld sowie bei der Architektur einer gesamten Infrastruktur und deren Management.

Dabei stellen wir die Systeme nicht einfach auf, sondern beraten, implementieren und betreuen den Kunden. Das heißt, wir sind in der Lage, die notwendigerweise begrenzten IT-Ressourcen der Mittelständler durch komplementäre Leistungen und Lösungen zu vervollständigen. Durch die enge Zusammenarbeit mit unseren Channel-Partnern, die sich auf den Mittelstand fokussieren, sowie durch unsere Historie als Direktanbieter haben wir das Ohr direkt an unseren Kunden. Deshalb kommen wir nicht mit fertigen Paketen, sondern orientieren uns daran, wo den Anwender der Schuh drückt.


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