29.02.2012
IT-Finanzierung

Alternative Modelle zur Kreditfinanzierung

Aus mehreren Quellen schöpfen

Die Staatsschuldenkrise und labile Weltwirtschaftslage scheinen den Mittelstand kaum zu beeindrucken. Im Gegenteil: Für das Jahr 2012 zeigt er laut Bitkom gar positive Investitionsbereitschaft. Jedoch sollten die Unternehmen bei der IT-Finanzierung evaluieren, ob sie auf Kredite oder besser alternative Modelle zurückgreifen.


Rezessionsängste werden seit Beginn der Krise im Jahr 2008 immer wieder geschürt. Doch die in den Krisenjahren zurückgehaltenen IT-Investitionen holen die Unternehmen seit dem letzten Jahr nach. Und dieser Trend scheint sich fortzusetzen. Laut Bitkom sind die Erwartungen für 2012 sehr optimistisch. „Mehr als zwei Drittel der Unternehmen rechnen mit steigenden Umsätzen“, betont Heinz-Paul Bonn, Vizepräsident des Branchenverbands. „Natürlich hat die Unsicherheit über die Staatsschuldenkrise auch Einfluss auf die Stimmung. Die konjunkturellen Risiken lassen sich nicht völlig wegdiskutieren. Für Panik gibt es aber keinen Grund.“ Man rechne gar mit zwei Prozent Wachstum für die IT- und Telekommunikationsbranche in diesem Jahr. Denn: IT-Produkte werden immer gebraucht, auch in konjunkturell schwächeren Phasen. Zudem haben viele Unternehmen erkannt, dass eine regelmäßige Modernisierung der IT-Infrastruktur und Technologien am Arbeitsplatz den deutschen Mittelstand dabei unterstützen, die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. „IT wandelt sich stetig. Wer zu lange an seiner Infrastruktur hängt, läuft Gefahr, den Anschluss zu verlieren“, erklärt Frank Gramüller-Heinz, Regional Sales Manager Northern Europe bei Dell Financial Services.

Mittelständische Unternehmen wollen jedoch effizient, kundenorientiert und kostensparend arbeiten – auch in diesem Jahr. „Daher werden sie voraussichtlich in Softwarelösungen sowie Systeme für das Customer-Relationship-Management (CRM) und Dokumentenmanagement (DMS) investieren“, bemerkt Kai-Otto Landwehr, Geschäftsführer der Siemens Finance & Leasing GmbH. „Auch Cloud Computing und mobile Technologien finden immer mehr Anhänger im Mittelstand.“ Laut Bitkom sticht Cloud Computing gar als dominierender Trend heraus. „Es hat sich inzwischen von einem Hype zu einem breiten Wachstumstrend entwickelt. Dabei kristallisiert sich heraus, welche Cloud-Angebote für welche Aufgaben am besten geeignet sind“, betont Vizepräsident Heinz-Paul Bonn, der wie Kai-Otto Landwehr auch einen wachsenden Bedarf an mobilen Anwendungen registriert. „Und dann ist da noch der weite Bereich Social Media, mit dem sich auch Mittelständler auseinandersetzen müssen. Schließlich bleibt die Datensicherheit ein wichtiges Feld für Investitionen.“

Doch egal, in welchen Bereich investiert wird: Voraussetzung ist die Verfügbarkeit entsprechender Zahlungsmittel. Zu bedenken ist allerdings, dass ein Barkauf beispielsweise das Risiko der Überalterung entsprechender Infrastrukturen steigert. Es lohnt sich also, über eine IT-Finanzierung nachzudenken. Bei geringer Eigenkapitalquote kommt ohnehin nur eine Finanzierung über Dritte in Frage. Hier bieten sich den Mittelständlern verschiedene Möglichkeiten, wie etwa das bereits erwähnte Cloud Computing. Bei diesem werden z.B. Rechen- und Netzwerkkapazität, Datenspeicher oder auch fertige Software dynamisch an den Bedarf angepasst über ein Netzwerk bezogen. Die Finanzierung von Hardware und sämtliche Risiken werden so auf einen externen Dienstleister übertragen.

„Eine IT-Finanzierung vom Spezialisten bietet im Vergleich zu einem Barkauf wichtige Vorteile. Dazu zählt zum einen die wesentlich höhere Nutzungsflexibilität. Dadurch kann die IT leichter an sich ändernde Rahmenbedingungen angepasst werden, beispielsweise wenn neue Verfahren eingeführt oder Unternehmen zugekauft werden“, berichtet Guido Kessler, Director Financial Services bei Fujitsu Technology Solutions. Zum anderen biete eine Finanzierung vom Spezialisten Zusatzservices an. Dazu gehören beispielsweise flexible Ratenzahlungen zur Harmonisierung von Aufwand und Nutzen innerhalb eines IT-Projektes. „Heutzutage fragt der Kunde nicht nur nach einer Finanzierung, sie soll auch möglichst flexibel sein und sich in gewissem Umfang an die Auslastungsschwankungen seines Kerngeschäftes anpassen“, bekräftigt Dr. Hans-Joachim Wörn. Er ist Business Development Manager bei der Cisco Systems Capital GmbH. „Wir sehen häufig, dass Kunden eine ‚atmende Kostenstruktur’ für ihre IT-Ausgaben haben möchten. Entsprechend tritt der klassische Kauf mit starren Abschreibungen in den Hintergrund.“

Alternative Wege einschlagen

Wer sich letztlich für eine Fremdfinanzierung anstatt eines Barkaufs entscheidet, kommt nicht an der Entwicklung einer passenden Strategie vorbei. Zunächst sollte der Finanzierungspartner sorgfältig ausgesucht werden. In einem zweiten Schritt „geht es um die Erstellung eines Finanzierungskonzeptes, das zum Investitionshorizont des jeweiligen Unternehmens passt“, erkläutert Christoph Heitjans, Direktor IBM Global Financing in Deutschland. „Dabei sollte darauf geachtet werden, dass ein Finanzierungsrahmen erstellt wird, der die Kernlinien bei der Hausbank nicht belastet.“ Apropos Hausbank: Die klassischste Finanzierungsmöglichkeit stellt nach wie vor die Aufnahme eines Bankenkredits dar. Ist dieser jedoch sicher, obgleich sich die Medien derzeit mit Themen wie der aktuellen Schuldenkrise, Börsenbeben und Misstrauen ins Bankensystem überschlagen? Dirk Cyrener, Geschäftsführer der KDT GmbH, fragt sich eher, wo die Banken mit ihren Einlagen hinsollen, die sie verwalten. Bei Staatsanleihen bekämen die Banken nur noch 50 Prozent zurück. Eine Einlagerung bei der EZB für 0,25 Prozent Zinsen sei auch nicht optimal. Doch: „Geld ist genug da, und Banken besinnen sich zunehmend darauf zurück, dass es in der realen Wirtschaft, d.h. in Firmenkredite, gut angelegt ist“, betont Dirk Cyrener. „Hinter diesen Krediten stehen Unternehmen und Unternehmer, die persönlich mit ihrem Vermögen, mit ihrer ganzen Arbeitskraft und Leidenschaft haften. Zusätzlich erhalten Banken bei Firmenkrediten Zinsen in Höhe von vier bis zehn Prozent. Aus Gesprächen mit lokalen Bankvorständen weiß ich, dass es keine Kreditklemme gibt.“

Auch Guido Kessler von Fujitsu bestätigt, dass die Kreditvergabe momentan noch sehr sicher ist. „Das kann sich allerdings auch schnell wieder ändern, wenn sich die Schuldenkrise weiter ausweitet bzw. die Eigenkapitalanforderungen der Banken sich weiter verschärfen.“ Und Christoph Heitjans von IBM, der nach eigenen Angaben eigentlich nicht an Schwarzmalerei interessiert sei, ergänzt: „Natürlich herrscht Unsicherheit im Bankensystem, keine Frage. Dies ist allerdings vor allem auf Ängste und Misstrauen zurückzuführen, dass Staaten und Banken ihre Schulden nicht bedienen können und der Refinanzierungsbedarf nicht gedeckt ist.“

Besser keinen Kredit aufnehmen?

Um das Risiko möglichst gering zu halten, sollten Unternehmen zumindest nicht nur eine Finanzierungsquelle in Betracht ziehen. Am besten sei es, so Kai-Otto Landwehr von Siemens Finance & Leasing, die eigene Abhängigkeit von der Kreditfinanzierung zu verringern und stattdessen alternative Wege zur Beschaffung des benötigten Kapitals aufzutun. „Nur wer eine breitere Palette an Methoden der Anlagenfinanzierung in Betracht zieht, kann flexibel auf Marktschwankungen reagieren und sichert sich so einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil.“

Unternehmen sollten also aus mehreren Finanzierungsquellen schöpfen und nicht nur auf eine Hausbank oder auf die Finanzierung durch eigene Betriebsmittel setzen. Doch welche alternativen Finanzierungsmodelle stehen dem Mittelstand zur Verfügung? CHG-Meridian hält IT-Leasing aufgrund der flexiblen Möglichkeiten für die beste Variante gegenüber dem Barkauf oder auch gegenüber einer klassischen Finanzierung. „Leasing wird außerhalb der Bilanz geführt, belastet also nicht das Eigenkapital“, begründet CHG-Vorstandsvorsitzender Jürgen Mossakowski sein Vertrauen in jenes Finanzierungsinstrument. „Leasing garantiert den Kunden zudem den regelmäßigen Austausch ihres IT-Portfolios bei stabilen, monatlichen Kosten – wenn gewünscht sogar zu nutzungsabhängigen Kosten nach dem Muster ‚price per seat’.“

Auch Christoph Heitjans schreibt dem Leasing eine große Bedeutung zu. „Es ist als Mittel bei der Fremdfinanzierung von Investitionsgütern sehr beliebt und zweifellos eines der wichtigsten Finanzierungsinstrumente überhaupt.“ Bei kurzfristigen Finanzierungen, z.B. des Umlaufvermögens, sei jedoch das Factoring nach wie vor auf dem Vormarsch. „Aus unserer Sicht“, ergänzt Rainer Pietschmann, Sales Manager Hersteller und Verbände bei der BFL Leasing GmbH, „werden die Themen Miete und On-Demand-Modelle weiter an Bedeutung gewinnen. Finanzierungsbedarf entsteht dadurch vermehrt an anderen Stellen, z.B. bei den Systemhäusern selbst für deren Rechenzentrumskapazitäten.“ Frank Gramüller-Heinz von Dell wiederum erkennt einen Trend in der Finanzierung ganzheitlicher Angebote, beispielsweise einer Hardware-as-a-Service-Lösung. Hier werde die Hardwarefinanzierung mit der Bereitstellung der Lifecycle-Services kombiniert. Für den Kunden bedeutet dies, dass er für die Nutzung seiner IT einen Preis zahlt und somit seine Kalkulationssicherheit über den Nutzungszeitraum erhöht.

Keine Krise in Sicht

Alternative Finanzierungsmodelle können im Einzelfall besser auf die jeweiligen Bedürfnisse eines Unternehmens zugeschnitten werden als eine Kreditfinanzierung. Teilweise können bei alternativen Modellen auch günstigere Konditionen realisiert werden. Zwar steht den Banken laut Dirk Cyrener von KDT genügend Geld zur Verfügung, doch laut Bitkom ist es gar nicht mehr so leicht, einen Kredit der Bank zu erhalten. Heinz-Paul Bonn erläutert: „Die Kreditanforderungen der Banken an Unternehmen sind schon seit einiger Zeit sehr hoch, spätestens seit der Finanzkrise 2008/2009. Die Banken fordern aktuelle Unterlagen zur Bilanz- und Ertragslage, zu geschäftlichen Aussichten, dem Marktumfeld, aber auch zu spezifischen Unternehmensrisiken und Maßnahmen zur Risikokontrolle.“

Aber auch andere Anforderungen, die schon immer präsent waren wie etwa ausreichendes Eigenkapital, spielen weiterhin eine große Rolle, um einen Bankenkredit zu erhalten. Hinzu kommt eine intensivere Bonitätsprüfung. „Kreditfinanzierungen haben gegrenzte Limits“, fügt Rainer Pietschmann von BFL Leasing noch an. „Sie müssen entweder mit anderen Werten besichert werden oder sind durch die Risikoabstellung auf die Kundenadresse endlich.“ Es spricht also viel dafür, sich mit alternativen Finanzierungsquellen zu beschäftigen. Diese sind laut Mehrheit der Anbieter im Übrigen nicht branchenabhängig. Es sei vielmehr so, dass die Anforderungen an eine IT-Finanzierung generell sehr ähnlich sind. „Flexibilität, Technologie-Austauschmöglichkeiten und nutzungsabhängige Modelle werden über alle Branchen hinweg in der IT angefragt“, konkretisiert Guido Kessler von Fujitsu, „genauso wie Price-per-Seat-Konzepte für Arbeitsplätze, also die Abbildung aller Kosten eines IT-Arbeitsplatzes in einer monatlichen Gebühr.“ Das liege u.a. daran, dass die Einsatzszenarien in den meisten Branchen ähnlich sind. Bei den Applikationen, die dann auf den Geräten laufen, soll es allerdings große Branchenunterschiede geben. „Lediglich im Bereich der öffentlichen Auftraggeber sehen wir stärkere Abweichungen“, ergänzt Guido Kessler. „So sind z.B. die Vertragslaufzeiten in der Regel länger und die Vertragsmodelle unterscheiden sich. Hier wird vor allem die sogenannte BVB-Miete nachgefragt.“

Wenn sich ein Unternehmen schließlich für eine Fremdfinanzierung entschieden und einen passenden Dienstleister mit entsprechender Finanzierungslösung ausgewählt hat, ist es ganz wichtig, auch die Verträge für die jeweilige externe IT-Finanzierung genau zu überprüfen. Denn hier gibt es massive Unterschiede und mögliche, versteckte Kosten. Bei Verträgen, die erstaunlich günstige Raten gegenüber allen Alternativangeboten aufzeigen, ist besonders Vorsicht geboten. Denn hier könnte an anderer Stelle verdient werden, die dem Kunden sicherlich nicht recht ist.

„Investiere und finanziere nur das, was du auch wirklich verstehst und überblickst“, rät Christoph Heitjans von IBM. Zudem sei es natürlich wichtig, dass der Finanzierungspartner auch in Krisenzeiten zuverlässig bleibt. Doch von Krise scheint im Jahr 2012 wie eingangs erwähnt keine Rede zu sein. Die Anbieter sind sich einig, dass im Bereich IT-Investition und damit auch bei der IT-Finanzierung ein Wachstum stattfinden wird. „Wir rechnen damit, dass in Deutschland 2012 etwa 73 Mrd. Euro für IT ausgegeben werden“, wagt Bitkom-Vizepräsident Heinz-Paul Bonn einen Blick in die Zukunft. „Insgesamt wird der ITK-Markt, inklusive Telekommunikation und Unterhaltungselektronik, erstmals ein Volumen von mehr als 150 Mrd. Euro haben.“

Bildquelle: iStockphoto.com/fotofrankyat


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