16.08.2012
Business Process Management
Von: Karl Osti*

Vorteile des Produktlebenszyklus-Managements

Auf dem Weg zu PLM

In Zukunft wird auf Produktlebenszyklus-Management (PLM) immer seltener verzichtet werden können. Doch noch viele Unternehmen scheuen die Einführung von Software für PLM, die oftmals mit einer langwierigen und teuren Implementierungsphase verbunden. Cloud-Technologien können hier Abhilfe schaffen.


Um sich im Wettbewerb behaupten zu können, müssen Unternehmen das Optimum aus ihren Ressourcen herausholen und möglichst zeit- und kosteneffizient arbeiten. Das gilt auch bei der Zusammenarbeit mit Kollegen an anderen Firmenstandorten, Partnern, Kunden oder Zulieferern weltweit. Eine reibungslose Kommunikation und ein schneller Austausch von Projekt- und Prozessinformationen sind dafür die beste Voraussetzung. Erleichtert wird diese Zusammenarbeit durch ein gut durchdachtes Management all dieser Daten. Viele Unternehmen beschränkten sich dabei bisher nur auf Produktdatenmanagement (PDM) oder Enterprise Resource Planning (ERP). Systeme für das Produktlebenszyklus-Management (neudeutsch Product Lifecycle Management) werden dagegen nur zögerlich eingeführt und auch erst dann, wenn es unbedingt notwendig ist. Solche Systeme beschränken sich jedoch nicht nur auf die Konstruktions- und Planungsdaten, sondern decken auch die Prozess- und Projektinformationen zu allen Aspekten des gesamten Lebenszyklus eines Produkts ab.

Gründe für die skeptische Haltung gegenüber PLM-Systemen sind meistens die Angst vor einem großen Implementierungsaufwand und hohen Investitionskosten. So sind Einführungsphasen von mehreren Monaten oder Jahren keine Seltenheit. PLM-Systeme rechnen sich deshalb nur oft für größere Unternehmen. Um auch für kleinere und mittelständische Betriebe rentabel zu werden, gilt es, den Amortisationszeitpunkt der Software schneller erreichbar zu machen. Dabei können einige Faktoren, die sich negativ auf den Return on Investment (ROI) auswirken, identifiziert und in Angriff genommen werden.

Keine Kompromisse bei der PLM-Anpassung

So verschieden die Tätigkeitsbereiche einzelner Unternehmen sind, so vielfältig und unterschiedlich sind auch die Abläufe und Prozesse innerhalb der Betriebe, sogar auch unternehmensintern. Es ist deshalb unverzichtbar, dass eine PLM-Lösung an diese spezifischen Anforderungen angepasst werden kann. In der Realität ist oft das Gegenteil der Fall: Um das volle Potential eines Systems ausnutzen zu können, müssen die Firmenprozesse an die PLM-Lösung angepasst werden. Diese haben sich jedoch über die Jahre entwickelt und bewährt. Eine Umstellung von Abläufen im laufenden Geschäft ist mit hohen Beeinträchtigungen und Fehlerrisiken verbunden. Die Firmen sollten also in der Gestaltung ihrer Unternehmensprozesse flexibel bleiben und bei der Anpassung der PLM-Software keine Kompromisse eingehen müssen.

Mitarbeiter investieren oft viel Zeit und Energie in ein PLM-Implementierungsprojekt. Das betrifft nicht nur die IT-Spezialisten, die die Lösung in die bestehende IT-Infrastruktur eingliedern müssen, sondern auch diejenigen, die das PLM-System an die Firmenprozesse anpassen. Dazu sind oft auch externe Fachkräfte notwendig, die zum Teil teure Spezialprogrammierungen vornehmen müssen. Eine PLM-Lösung sollte also im Idealfall auch durch firmeneigene Mitarbeiter in den jeweiligen Fachbereichen konfiguriert werden können. Das spart oft zeitaufwendige Erklärungen und Übergaben an fachfremde Programmierer. Zusätzlich sind die Anwender der neuen Software in langen und teuren Seminaren zu schulen. Durch eine intuitive Bedienoberfläche sind weniger oder kürzere Mitarbeiterschulungen nötig, was den Zeitaufwand des Personals weiterhin verringert.

Auch die zusätzliche IT-Infrastruktur, die bei der Implementierung eines PLM-Systems neu bereitgestellt werden muss, wie beispielsweise mehr Speicherplatz oder neue Server, sind ein nicht zu vernachlässigender Kostenfaktor. Cloud-Technologien können hier Alternativen bieten. Die digitale Wolke erlaubt den Unternehmen, Speicherplatz und Rechenleistung auszulagern und dort zu nutzen. Erste PLM-Lösungen sind bereits jetzt als Software as a Service (SaaS) verfügbar. Das bedeutet, dass das Programm von einem Provider zur Verfügung gestellt wird und die Anwender dieses mit einem Webbrowser über das Internet nutzen. Die Unternehmen sparen sich somit den Ausbau der firmeneigenen IT.

Dateninseln vermeiden

Doch was nützt die beste Softwarelösung, wenn sie sich nur unzureichend an bestehende Systeme eines Unternehmens angliedern lässt? Schnittstellen zwischen einzelnen Datenbanken oder Programmen sind oft fehleranfällig und nicht selten der Grund für Datenverfälschungen oder -verluste. Um keine Dateninseln zu schaffen, sollte der Transfer der Informationen zwischen einzelnen Systemen nahtlos erfolgen können. Auch die Frage, ob eine Lösung auf einem bestimmten Betriebssystem läuft oder einzelne Softwareversionen miteinander kompatibel sind, bereitet den IT-Abteilungen bei der Einführung neuer Software oft Kopfzerbrechen. Auch hier könnte das Software as a Service-Konzept eine Lösung darstellen. Die Anwender nutzen nämlich immer die aktuellste Software in der Cloud, so dass lokal kein Programm installiert werden muss. Dadurch gibt es keine Konflikte mit früheren Versionen oder anderen Betriebssystemen.

Je schneller eine PLM-Software produktiv arbeitet und je geringer die damit verbundenen Investitionskosten ausfallen, desto früher ist nicht nur der Return on Investment erreicht, sondern die Unternehmen können auch schneller von den Vorteilen des Produktlebenszyklus-Managements profitieren. Zentral abgelegte, immer aktualisierte und für jeden Projektbeteiligten zugängliche Informationen erleichtern Zusammenarbeit und Kommunikation erheblich. Das sichert den Unternehmen entscheidende Wettbewerbsvorteile.

*Der Autor, Karl Osti, ist Business Development Manager Manufacturing EMEA bei der Autodesk GmbH.

Bildquelle: Jens Bredehorn/Pixelio


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