28.06.2012
IT-Dienstleistung

Rudolf Kergaßner, Managing Director Ipsoft

Angst vor Kontrollverlust

Interview mit Rudolf Kergaßner, Managing Director bei Ipsoft in Frankfurt/Main, über die Möglichkeiten und Stolpersteine eines IT-Outsourcings


Rudolf Kergaßner ist Managing Director bei Ipsoft in Frankfurt/Main.

ITM: Herr Kergaßner, wie schätzen Sie das derzeitige Interesse von mittelständischen Unternehmen an Outsourcing-Projekten ein?

Rudolf Kergaßner: Hier ist eine klare Tendenz zu beobachten: Unternehmen haben heute weniger Interesse an einem kompletten Outsourcing, sondern eher an einem Outtasking, das heißt der zielgerichteten Auslagerung von IT-Teilbereichen. Ein Grund hierfür ist, dass Unternehmen heute besser als in der Vergangenheit wissen, in welchen Segmenten die kontrollierte Übergabe von IT-Aufgaben an einen externen Dienstleister für sie sinnvoll ist. Gegen ein vollständiges Outsourcing entscheiden sich Unternehmen vor allem deshalb, weil sie einen Kontrollverlust befürchten.

ITM: Von welchen Vorteilen können Unternehmen bei einem Outsourcing-Projekt profitieren?

Kergaßner: Generell sind hier vor allem Kosten- und Qualitätsvorteile zu nennen. Außerdem besteht für jedes Unternehmen ein zentraler Nutzen darin, dass sich die eigenen Mitarbeiter nach der teilweisen Auslagerung von IT-Bereichen verstärkt auf die Kerngeschäftsfelder konzentrieren können und von Routinetätigkeiten entlastet werden.

ITM: Worauf sollte ein Mittelständler jedoch unbedingt achten, wenn er sich für ein Outsourcing entscheidet?

Kergaßner: Er sollte sich für einen Partner auf Augenhöhe entscheiden, der durch seine Innovationskraft einen echten Mehrwert liefern kann. Der Mittelständler muss zudem darauf achten, dass er die vollständige – auch strategische – Kontrolle über seine IT behält, insbesondere wenn es sich um unternehmenskritische Systeme handelt. Wichtig ist, dass man sich nicht für Lösungen mit teuren, komplexen und langwierigen Transitionsprojekten entscheidet. Es gibt durchaus auch andere Lösungsangebote.

ITM: Welche Vorbereitungen muss der Anwender treffen?

Kergaßner: Grundvoraussetzung ist, dass er eine detaillierte Bestandsaufnahme seines IT-Betriebes macht: mit einer klaren Analyse der eigenen Stärken und Schwächen sowie einer eindeutigen Definition der Ziele. Weitere wichtige Punkte sind, dass das Management das Outsourcing- oder Outtasking-Projekt unterstützt und in der Transitionsphase ausreichend Personal­ressourcen zur Verfügung stehen.

ITM: Mit welchem zeitlichen und personellen Aufwand ist in der Regel zu rechnen?

Kergaßner: Man sollte in der Konzeptionsphase von drei bis vier Monaten ausgehen. Für die Auswahl des Lösungspartners sind dann bis zum endgültigen Vertragsabschluss weitere sechs Monate zu veranschlagen. Die eigentliche Transitionsphase beläuft sich dann je nach Anbieter und Komplexität des Projektes auf drei bis 18 Monate. Bei der Auswahl des Lösungspartners sollte man vor allem auf diesen zeitlichen Aspekt genauestens achten, denn das kann für den Kunden erhebliche – und zwar unnötige – Kosten verursachen.

ITM: Was sind typische Stolpersteine?

Kergaßner: Hier kann man eine ganze Reihe von Hindernissen nennen. Ein zentraler Punkt ist häufig, dass der Kunde nicht genau weiß, was er implementiert hat bzw. was er will. Hier besteht dann die Gefahr, dass dem Anwender eine Lösung verkauft wird, die nicht wirklich passt. Oft mangelt es dem Anwender auch an der erforderlichen Umsetzungskraft, nicht zuletzt auch aufgrund der mangelnden Unterstützung durch die Managementebene. Zudem sollte der Kunde nicht ausschließlich auf externe Berater vertrauen und unbedingt auch eine eigene starke Projektleitung einsetzen.

ITM: Welche Lösungen stellt Ipsoft speziell für den Mittelstand zur Verfügung?

Kergaßner: Wir machen „pain point picking“, das heißt, wir übernehmen vom Kunden in der Regel vor allem die Aufgaben, die ihm am meisten Kopfzerbrechen bereiten. Das sind häufig solche, die zu teuer oder zu komplex sind. Nennen kann man hier beispielsweise das WAN-Management auf internationaler Ebene. Natürlich gehört zu unserem Lösungsangebot auch ein vollständiges Outsourcing. Zentraler Vorteil unserer Lösung ist, dass der Anwender mit ihr Kosten- und Qualitätssicherheit sowie eine marktunübliche, umfassende Transparenz erhält. Außerdem bekommt er keine Lösung von der Stange, sondern eine passgenaue Dienstleistung, die konkret auf seine Anforderungen zugeschnitten ist.

ITM: Welche Rolle spielt hierbei für Sie das Thema „Automatisierung“?

Kergaßner: Automatisierung ist der zentrale Punkt unseres Lösungsansatzes. Unser Dienstleistungsangebot basiert auf expertensystemgesteuerten Automatisierungstechnologien, die zu Effizienzsteigerungen in der IT beitragen. Mit den selbstlernenden Lösungen kann ein Großteil der IT-Routinetätigkeiten durchgeführt werden. Dadurch ergeben sich für den Anwender bei Nutzung unserer Services Kostenvorteile.

ITM: Wo werden die ausgelagerten Daten des Kunden gespeichert?

Kergaßner: Hier besteht für den Anwender völlige Wahlfreiheit. Die Daten werden an einem von ihm präferierten Ort gespeichert: bei sich, in einer beliebigen Cloud oder in einem bestimmten Rechenzentrum in einem definierten Land.

ITM: Wie gewährleisten Sie Ihren Kunden Sicherheit?

Kergaßner: Wir bieten zunächst einmal völlige Transparenz über unsere Speicherorte. Der Kunde kann auch jederzeit prüfen, wo seine Daten konkret gespeichert sind. Natürlich verfügen wir auch über alle relevanten Zertifizierungen. Ein entscheidender Punkt, der uns im Hinblick auf das Thema Sicherheit von Wettbewerbern abhebt, betrifft das Thema Automatisierung. Dadurch gibt es bei uns nur sehr wenige Mitarbeiter, die konkret mit den Daten des Kunden arbeiten, was für diesen natürlich auch ein reduziertes Risiko bedeutet.

ITM: Welche Ausstiegsmöglichkeiten hat der Anwender? Ist ein Ausstieg mit sämtlichen Daten zu jeder Zeit problemlos möglich?

Kergaßner: Natürlich erhält der Kunde alle Daten und seine für ihn konzipierten Automatisierungslösungen am Vertragsende zurück. Darüber hinaus bekommt er die während der Transitions- und Betriebsphase entwickelten Dokumente zurück. Das ist ein erheblicher Vorteil und im Markt eher unüblich. Gemäß dem Motto „Erhöhung der Agilität und Flexibilität des Kunden“ ist für den Kunden prinzipiell ein Ausstieg zu jedem Zeitpunkt möglich. Für die meisten Kunden ist allerdings eine kurzfristige Vertragsbeendigung allein schon aus betrieblichen Gründen nicht sinnvoll oder möglich.


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