29.08.2012
Business Intelligence
Von: Siegfried Dannehl

Business Intelligence ist angekommen

Analysieren, optimieren, profitieren

Moderne Business-Intelligence-Werkzeuge (BI) stellen nicht nur detaillierte Werte zum Istzustand wichtiger Geschäftsprozesse bereit, im Rahmen von Business Analytics können sie auch Basisinformationen für zukunftsorientierte Prognosen und Planungen liefern. Exponentiell wachsende Datenmengen in Kombination mit der Notwendigkeit, immer schneller auf marktwirtschaftliche Veränderungen zu reagieren, machen den Einsatz von BI auch für Mittelständler zunehmend unverzichtbar.


Immer mehr Systeme, Lösungen, Komponenten und Objekte produzieren Daten, die von geschäftlicher Relevanz sein können. Mit dem exponentiellen Anstieg dieser, in zunehmendem Maße aus unstrukturierten Daten bestehenden, digitalen Informationsmenge wächst der Bedarf an Lösungen, um diese Daten effizient zu verwalten und auszuwerten. „Business Intelligence“ lautet der Oberbegriff für die Sammlung, Aufbereitung und Bereitstellung von Daten zur Kontrolle, Steuerung und Planung der Unternehmensleistung. Big Data, „In Memory Analytics“, mobile BI-Tools oder BI aus der Cloud kennzeichnen nur einige der vielfältigen Aspekte, die im Umfeld von Business Intelligence und Business Analytics (BA) rasant an Bedeutung gewinnen.

„Business Analytics kommt heute in deutschen Unternehmen ein ganz neuer Stellenwert zu. In gleichem Maße, wie die Datenmengen wachsen, müssen Firmen und Organisationen ihre BI-Anstrengungen und -Strategien ändern – und das am besten eher heute als morgen“, empfiehlt Rüdiger Spies, Independent VP Enterprise Applications bei IDC. Eine Erkenntnis, zu der offenbar immer mehr Unternehmen gelangen. Laut dem IT-Marktforschungs- und Beratungsunternehmen Gartner betrug der weltweite Umsatz mit Software für BI-Plattformen, Analytic Applications und Performance-Management (PM) im Jahr 2011 12,2 Mrd. US-Dollar. Der Softwaremarkt für BI, Analytics und PM war damit der am zweitschnellsten wachsende Sektor im weltweiten Markt für Unternehmenssoftware im Jahr 2011.

„Mittelständler haben die strategische Bedeutung von Informationen für die Führungsebene erkannt. Die Möglichkeiten für zeitnahe Berichterstattung und Datenanalyse bis hin zu dynamischer Planung und Forecasting sichern entscheidende Wettbewerbsvorteile. Bisher waren vor allem große Unternehmen dazu bereit, die teilweise erheblichen Investitionen zu tragen.“ Zu diesem Ergebnis kommt das Würzburger Business-Application-Research-Center-Institut (Barc) in seiner im Frühjahr 2012 veröffentlichten Studie „Business Intelligence im Mittelstand 2011/2012“. An der Umfrage beteiligten sich 170 Unternehmen, wobei es sich bei 74 Prozent der Teilnehmer um kleine und mittelständische Betriebe mit weniger als 5.000 Mitarbeitern handelte.

BI-Segment nimmt Fahrt auf

Die Verbreitung von Business Intelligence im Mittelstand ist demnach im Vergleich zu den Vorjahren deutlich gestiegen. In einer 2007 durchgeführten Barc-Erhebung hatte lediglich die Hälfte der befragten kleinen und mittelgroßen Unternehmen eine BI-Anwendung im Einsatz. 40 Prozent planten eine zukünftige Anschaffung. Vier Jahre später hat sich die Markt­situation grundlegend verändert. In der aktuellen Umfrage hatten bereits 83 Prozent der Befragten in eine BI-Lösung investiert. Gestiegen ist allerdings nicht nur die Implementierungsrate, sondern auch der Anspruch an die Funktionalität derartiger Konzepte. Wurde in der Vergangenheit BI häufig als isolierte Lösung betrachtet, sind heute umfassende Enterprise-Performance-Management-Strategien gefragt. Business Intelligence und Business Process Management wachsen nach Ansicht von Luis Praxmarer, Global Research Director bei der Experton Group, verstärkt zusammen. „Business Intelligence und Analytikwerkzeuge werden immer wichtiger, wenn es darum geht, das Business Process Management (BPM) agiler zu machen. BI ist tendenziell eher reaktiv, BPM proaktiv. Wird BI mit BPM kombiniert, profitieren Anwender von den Instant-Analyse- und Prozessanpassungsmöglichkeiten, die gewährleisten, dass die Geschäftsprozesse immer auf die strategischen Unternehmensziele abgestimmt sind“, erklärt Praxmarer.

Neue Strategien gegen die Datenflut

Das Thema „Big Data“ spielt bei mittelständischen Unternehmen bis zu einer Größe von etwa 2.500 Mitarbeitern derzeit eine untergeordnete Rolle. Zwar werden auch sie nach Ansicht von Mario Zillmann, Head of Professional Services bei der Lünendonk GmbH, bereits heute mit einer steigenden Menge von Daten und unterschiedlichen Datenquellen konfrontiert, die Analyse und strategische Nutzung hat für kleinere und mittlere Unternehmen bislang allerdings noch keine Priorität. Er erwartet, dass der Mittelstand mehrheitlich in ganzheitliche Business-Intelligence-Systeme sowie in die Standardisierung und Konsolidierung seiner IT-Landschaft investieren und sich erst im Anschluss daran der Big-Data-Thematik annehmen wird. „Bei Big Data werden die Großunternehmen und Konzerne die Vorreiterrolle übernehmen und gemeinsam mit den BI-Anbietern konkrete Geschäftsmodelle mit der Big-Data-Technologie entwickeln. Interessant sind solche Lösungen  auch heute schon für mittelständische Unternehmen aus den Branchen Handel, Banken und Versicherungen“, so Zillmann.

Ein großes Potential sieht der Lünendonk-Analyst im Segment der „In Memory Analytics“. Die von SAP entwickelte High Performance Analytic Appliance (Hana), die unter Zuhilfenahme des Arbeitsspeichers quasi in Echtzeit gigantische Datenmengen durchsuchen und analysieren kann, ermöglicht Unternehmen dramatische Leistungssteigerungen im Zusammenhang mit BI-Aufgaben. „Die schnelle Implementierung von In-Memory-Lösungen sowie die zügigen Auswertungsmöglichkeiten sind für mittelständische Unternehmen attraktiv, vor allem auch deshalb, weil sich „In Memory Analytics“ an die Fachanwender richtet, die vielerorts im Ad-hoc-Reporting mit mehreren Excel-Datenbanken und heterogenen BI-Systemen arbeiten und unterschiedliche Datenquellen manuell anbinden müssen“, prognostiziert Zillmann. Die Anbieter von BI-Standardsoftware erwarten laut Lünendonk-Marktstichprobe 2012 „Business Intelligence als Kernkompetenz – der Markt für spezialisierte Business-Intelligence-Standardsoftware-Anbieter in Deutschland“, dass Business Analytics/Big Data in den nächsten zwei Jahren einen großen Teil zu ihrem Geschäftserfolg beitragen.

Business Intelligence immer und überall

Mobile Business Intelligence wird nach Ansicht des BI-Spezialisten Arcplan im Jahr 2012 einen extremen Aufschwung erleben. Gemäß einer aktuellen Marktstudie des Instituts Howard Dresner wird erwartet, dass in den kommenden zwei Jahren bis zu 80 Prozent der Anwender auf ihre BI-Applikationen ausschließlich mobil zugreifen werden. Mobile BI sei daher zu einem kritischen Erfolgsfaktor innerhalb der IT-Strategie vieler Unternehmen geworden.

Der Siegeszug der Smartphones und Handhelds und flexible Arbeitsplatzmodelle führen dazu, dass Führungskräfte oder Vertriebsmitarbeiter außerhalb des Büroarbeitsplatzes auf relevante Kennzahlen angewiesen sind, um Entscheidungen zu treffen oder sich auf Termine mit Kunden oder Lieferanten vorzubereiten. Gefragt ist sowohl der Zugriff auf kaufmännische KPIs (Umsatz, Rentabilität, Gewinn/Kunde oder Gewinn/Region) als auch auf operative KPIs (Absatz, Auftragseingänge, Produktionsauslastung, Anzahl Reklamationen, Durchlaufzeiten). Nach Angaben von Mario Zillmann zeigen Gespräche mit BI-Anbietern, dass die Entwicklung von Schnittstellen sowie die Entwicklung von entsprechenden hochauflösenden Dashboards für mobile Endgeräte einen wichtigen Teil ihres Geschäfts ausmachen. So sehen es die befragten BI-Hersteller in der Lünendonk-Marktstichprobe auch für die Zukunft als sehr wahrscheinlich an, dass neue Technologien künftig den mobilen Zugriff auf Geschäftsinformationen erhöhen werden. Sie rechnen damit, dass „Mobile BI“ in den nächsten zwei Jahren relevant an Bedeutung gewinnt.

„Für Anwender, die immer stärker einen 24x7-Zugang zu erfolgskritischen Informationen einfordern, wird die mobile BI die Nummer eins der BI-Informationsquellen werden“, heißt es bei Arcplan. Allerdings rät der Anbieter zu einer differenzierten Betrachtungsweise. Nicht jede vorhandene BI-Anwendung muss auch mobil verfügbar sein. Mobile BI sollte Anwendern ein konsumorientiertes Modell mit beschränkten analytischen Funktionen zur Verfügung stellen. Ein Modell, das umfassende Analysemöglichkeiten bietet, eignet sich besser für Laptops und PCs, die die Geschwindigkeit und Leistung für umfangreiche Analysen bieten. Mobile Anwender sollten Zugriff auf die Dashboards und Berichte haben, die Nutzen auf den ersten Blick bieten. Detaillierte Ad-hoc-Analysen sollten demgegenüber der Desktop-BI vorbehalten bleiben.

BI-Anbieter positionieren sich

Noch weitgehend zurückhaltend stehen Unternehmen dem Angebot von BI-as-a-Service-Lösungen (BIaaS) gegenüber. Wie bei vielen anderen „As a Service“-Angeboten werden auch hier Sicherheitsbedenken, potentielle Abhängigkeiten vom Service-Anbieter und eine fehlende oder eingeschränkte Datenhoheit als Gründe dafür genannt, dass deutsche Unternehmen im internationalen Vergleich derzeit noch zurückliegen.

Die von Lünendonk befragten BI-Softwarehersteller gaben an, dass aktuell nur knapp acht Prozent ihrer Kunden SaaS-Lösungen nutzen. Allerdings erwarten die Anbieter, dass 2012 durchschnittlich etwa 15 Prozent ihrer Kunden Lösungen auf Basis von SaaS einsetzen. Das Marktpotential von „BI as a Service“ wird demnach als „hoch“ eingestuft. Vor allem für standardisierbare BI-Lösungen für das Nicht-Finanz-Reporting bietet BIaaS eine schnelle und reibungslose Implementierung, wenig Aufwand für Customizing und Investitionsschutz durch variable Kosten.

Eine von Barc durchgeführte Anbieteranalyse des BI-Marktes zeigt, dass Microsoft für das BI-Segment umsatzseitig noch hinter den anderen großen Software-Anbietern IBM, Oracle und SAP hinterherhinkt. Im Vergleich zum Gesamtmarkt ist Microsoft mit seinen auf SQL-Servern basierenden BI-Lösungen im Mittelstand allerdings häufiger vertreten. SAP und IBM mit den Cognos-Lösungen sind sowohl im Gesamtmarkt als auch im Mittelstand unter den Topanbietern. Die Strategie, spezielle Produktbündel für den Mittelstand anzubieten und mit Partnern für dieses Marktsegment zu arbeiten, scheint hier aufzugehen. Neben den drei großen Anbietern Microsoft, SAP und IBM kaufen kleine und mittlere Firmen ihre BI-Lösungen gerne bei mittelständischen Software-Anbietern, weil sie hier auf Augenhöhe verhandeln, Vorteile hinsichtlich der lokalen Präsenz haben oder Know-how für bestimmte Aufgabenstellungen vorfinden. Laut den Ergebnissen der Lünendonk-Studie können sich die Anbieter von BI-Standardsoftware-Lösungen in Deutschland auf jeden Fall auf attraktive Zuwächse freuen.

Business Intelligence

Business Intelligence ist ein ganzheitlicher Ansatz zur Integration von Strategien, Prozessen und Technologien, um aus verteilten und inhomogenen Unternehmens-, Markt- und Wettbewerberdaten erfolgskritisches Wissen über Status, Potentiale und Perspektiven zu erzeugen.

Quelle: Institut für Business Intelligence, www.i-bi.de


Bildquelle: ©iStockphoto.com/Kemal Bas


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