23.05.2012
Kommunikation

Gregor Falke, IT-Leiter bei der Papstar Vertriebsgesellschaft mbH

Alles andere als ein Pappenstiel

Mobile Lösungen, Lagerautomatisierung, Pick by Voice oder Unified Communications – die Einführung solch innovativer IT-Lösungen ist immer mit einem gewissen Aufwand verbunden. Auch für Gregor Falke, IT-Leiter bei der Papstar Vertriebsgesellschaft mbH in Kall in der Eifel, ist daher klar: So manches IT-Projekt ist alles andere als ein Pappenstiel.


Gregor Falke, IT-Leiter bei der Papstar Vertriebsgesellschaft mbH in Kall

Über den Einsatz neuer Kommunikationsmittel wie mobile Endgeräte und Unified Communications (UC) sprachen wir mit Gregor Falke, Prokurist und Chief Information Officer bei Papstar.

Von dem Standort in Kall in der Eifel aus beliefert Papstar Kunden in der ganzen Welt. Hierfür wurde das Logistikzentrum vor einigen Jahren komplett modernisiert.

Um die Prozesse im weltweiten Vertrieb sowie in den eigenen europäischen Niederlassungen im Griff zu haben, setzt das mittelständische Unternehmen seit längerem auf IT-Zentralisierung.

Sobald im Frühjahr die ersten warmen Sonnenstrahlen den Abschied von der kalten Jahreszeit verkünden, zieht es die Menschen nach draußen. Spätestens beim ersten Picknick, Grillvergnügen oder Gartenfest kommen die Produkte aus dem Papstar-Sortiment zum Einsatz: Einmalgeschirr, Servietten, Kerzen und vieles mehr sorgen für beste Feierlaune.

Mit mehr als 7.000 Produkten versorgt Papstar jedoch nicht nur Endverbraucher, sondern bietet auch Komplettlösungen für Handel, Industrie, Gastronomie und Schnellverpflegung. Zu den Produktgruppen zählen dabei: Einmalgeschirr und Serviceverpackungen, Verpackungsmittel, Hygieneprodukte, Gedeckter Tisch, Haushaltshelfer, Dekoartikel und -zubehör sowie Papeterie.

Um die Prozesse im weltweiten Vertrieb sowie in den eigenen europäischen Niederlassungen im Griff zu haben, setzt das mittelständische Unternehmen seit längerem auf IT-Zentralisierung. Darüber und über den Einsatz neuer Kommunikationsmittel wie mobile Endgeräte und Unified Communications (UC) sprachen wir mit Gregor Falke, Prokurist und Chief Information Officer bei Papstar.

ITM: Herr Falke, wie gestaltet sich Ihre Kundenbasis?
Falke: Wir beliefern sowohl den Groß- als auch den Einzelhandel, darunter zahlreiche „Cash & Carry“-Märkte. Die Belieferung des Fachhandels übernehmen wir ebenfalls, allerdings nicht in so großem Stil.

ITM: Wie viele Kunden besitzen Sie?
Falke: Weltweit ändert sich diese Zahl ständig. Aktuell haben wir in Deutschland ca. 35.000 Lieferadressen.

ITM: Wie beliefern Sie die Kunden?
Falke: Wir arbeiten mit Logistikdienstleistern zusammen, besitzen daneben aber auch einen eigenen LKW-Fuhrpark. Dieser besteht aus mehreren 40 Tonnen schweren Sattelzügen mit Kofferaufliegern, die durchschnittlich weniger als 25 Liter auf 100 Kilometern verbrauchen.

ITM: Wie kommt dieser geringe Verbrauch zustande?
Falke: Alle unsere Fahrer absolvieren ein Eco-Training für vorausschauendes Fahren und müssen sich an eine feste Geschwindigkeitsgrenze halten: Kein LKW darf schneller als 85 km/h fahren. Zudem sind alle Fahrzeuge mit dem elektronischen Fahrtenschreibersystem Fleetboard ausgestattet, das die Betriebszustände des Fahrzeugs ebenso aufzeichnet wie das jeweilige Fahrverhalten. Auf Basis der ermittelten Werte haben wir ein Prämiensystem für die Fahrer aufgebaut. Mit einer wirtschaftlicheren und ökologischeren Fahrweise können sich unsere Fahrer so einen Zusatzverdienst sichern.

ITM: Warum ist ein Eco-Training so wichtig?
Falke: Es trainiert vor allem das vorausschauende Fahren. Unsere Fahrer sollen nicht bremsen, sondern den Fuß vom Gas nehmen und auf ein Hindernis zurollen. Via Fleetboard erkennen wir, wie oft bzw. stark tatsächlich gebremst wurde. Gibt der Fahrer zu viel Gas bzw. bremst er häufig ab, erhält er eine Nachschulung. Fleetboard nutzen wir bereits seit fünf Jahren und statten neue LKW sukzessive damit aus. Das System wertet alle erhobenen Daten selbst aus, weshalb es nicht an weitere Logistiksysteme angebunden werden muss.

ITM: Müssen Sie bei der Belieferung Ihrer Kunden saisonale Schwankungen abfedern?
Falke: Jedes Jahr im Mai beginnt die Grillsaison und die Nachfrage nach unseren Produkten steigt bis zu den Sommerferien kontinuierlich stark an. In den Ferienmonaten lässt der Verkauf etwas nach, da viele Bundesbürger in den Urlaub fahren. Im Anschluss an die Ferien zieht im September unser Weihnachtgeschäft an. Dieses endet traditionsgemäß am dritten Advent, da wir ab diesem Zeitpunkt keine Ware mehr nachliefern. Im Januar bearbeiten wir mögliche Weihnachtsretouren, in der Karnevalszeit bemerken wir eine leicht erhöhte Nachfrage und der Höhepunkt erfolgt wieder im Mai.

ITM: Inwieweit ist Ihre IT auf das Saisongeschäft hin ausgelegt?
Falke: Unsere IT arbeitet saisonunabhängig, da wir in Stoßzeiten weder zusätzliche Speicher- noch Serverressourcen benötigen. Wir halten unsere IT zentral in Kall vor und nutzen Technologien, die problemlos skalierbar sind. So arbeiten wir mit einem Storage Area Network (SAN) und durchgehender Virtualisierung. Derzeit gibt es zwanzig physikalische Server, auf denen wir 180 virtuelle Server betreiben. Unsere IT-Mannschaft umfasst 15 Personen.

ITM: Nicht gerade wenig für einen Mittelständler ...
Falke:
Dies liegt daran, das wir unsere Applikationen teilweise selbst entwickeln. Die Hälfte der IT-Mitarbeiter ist für die Softwareentwicklung zuständig, die andere Hälfte übernimmt die Systembetreuung. Dabei betreibt die IT-Mannschaft in Kall das zentrale Rechenzentrum für die gesamte Papstar-Gruppe. Alles, was IT-seitig in unseren europäischen Standorten abläuft, steuern wir aus der Eifel, weshalb wir in keiner Niederlassung weitere IT-Mitarbeiter beschäftigen.

ITM: Welche Programme entwickeln Sie selbst?
Falke:
Ursprünglich handelte es sich bei unserer Warenwirtschaft um eine Eigenentwicklung. Mit der Zeit konnte diese unserem Wachstum jedoch nicht standhalten. Deshalb entschieden wir uns vor einiger Zeit dazu, in den Niederlassungen und schließlich auch in der Zentrale Microsoft Dynamics Nav einzuführen. Inzwischen haben wir diese Standardsoftware auf unsere eigenen Anforderungen hin zugeschnitten und nutzen das ERP-System an einer zunehmenden Zahl von Standorten.

ITM: Warum konnten Sie nicht mit dem Standard arbeiten?
Falke:
Allein hinsichtlich der Buchhaltung müssen wir verschiedene nationale Vorgaben berücksichtigen. Den Kontenrahmen, den wir in Deutschland nutzen, dürfen wir weder in Frankreich noch in Spanien verwenden. Andere Länder sind weniger rigoros und erlauben die Verwendung unseres Konzernkontenrahmens ohne weiteres.

Desweiteren ist die Grüne-Punkt-Abrechnung eine rein nationale Angelegenheit, die im ERP-System abgebildet werden muss. Was in Deutschland bis in das kleinste Detail berechnet wird, regeln andere Länder über Pauschalbeträge.

ITM: Gibt es dafür keine EU-weiten Vorgaben?
Falke:
Mit dem Grünen Punkt verfährt jeder europäische Staat anders. Hierzulande organisiert die Duales System Deutschland GmbH, kurz DSD, die Sammlung, Sortierung und Verwertung von Verpackungen mit dem Grünen Punkt. Dabei werden auch Multikomponentenartikel wie klassische Coffee-to-go-Becher erfasst: Der Deckel besteht aus Kunststoff, der Becher selbst aus Papier und Plastik. Die Hersteller bzw. Händler müssen entsprechende Recyclinggebühren bezahlen. Dasselbe gilt für das Einschlagpapier einer Metzgerei – dieses besteht oftmals aus Papier und einer Folienschicht, d.h. aus zwei verschieden recycelbaren und damit abrechenbaren Komponenten.

ITM: Produzieren Sie alle Produkte selbst?
Falke:
Mitnichten, wir stellen vorrangig bedruckte Pappteller, verschiedene Arten von Servietten sowie Tischdecken her. Der Produktionsstandort hierfür befindet sich im österreichischen Spittal; der Standort in Kall fungiert allein als Lager- und Logistikzentrum. Unser restliches Sortiment beziehen wir als Handelsware, dabei kommen beispielsweise Müllbeutel aus China und weiße Pappteller aus reinem Zellstoff von einem hiesigen Partner.

ITM: Mit wie vielen Lieferanten arbeiten Sie zusammen?
Falke:
Wir arbeiten mit 180 Lieferanten zusammen, wobei rund 80 Prozent davon aus Europa und der Rest aus Fernost stammt.

ITM: Wie funktioniert Ihre Lieferkette?
Falke:
Wir fungieren als Handelspartner der produzierenden Unternehmen und bieten insbesondere kleineren Firmen die Möglichkeit, unsere Lagerkapazitäten zu nutzen. Aufgrund dessen können sie sich Geschäfte mit großen Handelsketten sichern. Denn gerade kleinere Produzenten halten kein eigenes Lager vor, um Nachfragespitzen abzufedern. Das Vorgehen wirkt sich zudem günstig auf die Entstehungspreise aus: Ein Hersteller, der keine Spitzen abfedern muss, kann gleichmäßiger und damit kostengünstiger produzieren. Da wir in Kall ein großes, automatisiertes Hochregallager besitzen, können wir benötigte Kapazitäten schnell bereitstellen.

ITM: Außerdem gibt es für Ihre Produkte kein Verfalldatum ...
Falke:
Genau, einfarbige Servietten oder weiße Pappteller werden innerhalb eines Jahres nicht schlecht. Wobei wir lange Lagerzeiten natürlich vermeiden wollen, denn Kapitalbindungskosten sind selbstverständlich auch für uns ein Thema und es gilt: Was im Lager liegt wird nicht wertvoller.

ITM: Wie haben Sie Ihre Lagerprozesse organisiert?
Falke:
Wir lagern alle Artikel in unserem Hochregallager ein. Im Lager selbst trennen sich die Prozesse entsprechend der bestellten Produktmengen. Bestellt ein Kunde volle Paletten, gehen diese direkt aus dem Hochregallager in die Verladung.

Handelt es sich um eine geringere Bestellmenge, wandert die Ware durch ein automatisiertes Kartonlager. Dieses funktioniert wie eine Sortieranlage, bei der die Artikel abgestellt und auftragsbezogen wieder herausgeholt werden. Über Fördertechnik werden die Kartons den jeweiligen Packstationen zugewiesen.

Desweiteren arbeiten wir mit Kleinstprodukten, insgesamt rund 2.500 Artikel. Sie sind so klein, dass sie nicht in einem Karton auf eine Palette gelegt werden können. Speziell dafür halten wir ein eigenes Kleinteileregallager vor, in dem die Kommissionierung per Pick by Voice abläuft.

ITM: Wie kann man sich die Abläufe vorstellen?
Falke:
Die Zuführung auf den eigentlichen Kommissionierplatz läuft vollständig automatisiert ab. Es gibt keinen Staplerverkehr im Lager und die Fördertechnik wird nur bei Bedarf angeschaltet. Dank der Automatisierung sparen wir nicht nur Strom, sondern konnten auch unsere Staplerflotte halbieren. In der Flotte selbst nutzen wir mittlerweile bei 13 von insgesamt 52 Fahrzeugen eine energieeffiziente Lithium-Metall-Polymertechnik.

ITM: Wie groß ist Ihre Lagerfläche?
Falke:
Wir verfügen über rund 25.000 Quadratmeter operative Lagerfläche. Im Monat arbeiten wir durchschnittlich etwa 17.000 Aufträge ab, täglich verlassen rund 40.000 Kartons unser Logistikzentrum.

ITM: Inwieweit bilden Sie die Lagerprozesse elektronisch ab?
Falke:
Die Umstellung auf durchgehend elektronische Prozesse erfolgte bereits vor einigen Jahren. Seitdem gibt es in unserem Lager keine Kommissionierscheine in Papierform mehr. Vielmehr nutzen unsere Mitarbeiter ein mobiles Kommissioniergerät mit lesefreundlichem Display, auf dem sie alle notwendigen Informationen einsehen können. Im Bereich der Kommissionierung von Kleinstartikeln setzen wir – wie erwähnt – auf Pick by Voice. Dieses Verfahren funktioniert reibungslos, wobei die Mitarbeiter alle Anweisungen via Headset erhalten und die Hände frei für die Kommissionierung haben.

ITM: Nicht nur im Lager, sondern auch am Point of Sale müssen die Prozesse sitzen. Dafür arbeiten Sie im Groß- und Einzelhandel mit dem sogenannten Replenishment – was versteht man darunter?
Falke:
Wir übernehmen den Regaldienst und sorgen dafür, dass unsere Produkte stets in ausreichender Menge vorhanden sind. Diese Art der Regalbefüllung realisieren wir in Deutschland, in Schweden sowie in einigen Märkten in Österreich und Spanien.

ITM: Das Auffüllen in den verschiedensten Märkten ist ziemlich aufwendig. Warum übernehmen Sie das selbst?
Falke:
Unser eigenes Personal garantiert, dass unsere Verkaufsstände immer gut aussehen. Demgegenüber haben die Mitarbeiter der Märkte vor allem das Interesse, innerhalb einer gewissen Zeit ihre Arbeit zu schaffen.

Unsere eigenen Mitarbeiter räumen das Regal zunächst auf und disponieren anschließend nach. Dabei scannen sie mit einer mobilen Blackberry-Lösung das Regaletikett und damit die Artikelnummer der Einzelverpackung ein. Diese Daten werden anschließend an unser ERP-System weitergeleitet, das wiederum die gelesenen EAN-Codes in die Bestelleinheiten des jeweiligen Kunden umwandelt.

ITM: Wie oft besuchen Ihre Mitarbeiter einzelne Märkte?
Falke:
Das hängt von der Größe ab. Es gibt Märkte, in denen wir eine Vollzeitkraft beschäftigen, andere Märkte werden nur einmal im Monat für mehrere Stunden aufgesucht.

ITM: Haben Sie das gesamte Personal mit mobilen Lösungen ausgestattet?
Falke:
Noch nicht, es ist aber geplant. Generell läuft der Vorgang auch offline ab, sollte im Markt keine Netzverbindung bestehen. Sobald die Mitarbeiter wieder im Netz sind, werden die Daten übertragen. Dabei handelt sich nicht um kritische Daten, sondern allein um Artikel- und Kundennummern. Umsätze etc. werden nicht übermittelt. Die Vorteile dieser Methode: Der Auftrag trifft innerhalb weniger Sekunden in unserer Zentrale ein, es gibt keine Medienbrüche und somit auch keine Eingabefehler mehr.

ITM: Warum haben Sie sich für den Blackberry-Einsatz entschieden und nicht etwa für robustere Industriehandhelds?
Falke:
Zum einen sind letztere furchtbar teuer, zum anderen ist der Blackberry handlich klein und garantiert eine sichere Übertragung. Vielleicht steigen wir künftig auf die derzeit so angesagten Tablet-PCs um. Im Moment gibt es allerdings kaum Smart Devices, die einen Scanner integrieren können.

ITM: Könnte man die Artikelnummern nicht abfotografieren?
Falke:
Dieses Vorgehen wäre viel zu langsam. In der Zeit, in der gängige QR-Codescanner eine Nummer identifiziert haben, hat unser Mitarbeiter das gesamte Regal disponiert.

ITM: Wie funktioniert das Scannen im Moment?
Falke:
Wir haben einen bluetooth-fähigen Ringscanner an das BlackBerry angeschlossen. Hierfür programmierten unsere Projektpartner, die Deutsche Telekom und das Softwarehaus Orbit, eine spezielle Anwendung.

ITM: Warum haben Sie diese Projektpartner gewählt?
Falke:
Unsere Mobilfunkverträge laufen seit vielen Jahren über die Deutsche Telekom. Denn damals wie heute konnte uns kein anderer Anbieter eine flächendeckende Netzanbindung in den europäischen Märkten gewährleisten, in denen wir unterwegs sind. Da wir zudem bereits einige IT-Projekte mit der Telekom durchgeführt hatten, waren die Bonner unsere erste Anlaufstation. Sie holten dann wiederum ihren IT-Partner Orbit ins Boot, der die Lösung speziell für uns entwickelte.

ITM: Dürfen Ihre Mitarbeiter die Blackberrys auch privat nutzen?
Falke:
Nein, denn die Endgeräte, die für das Scannen eingesetzt werden, verfügen allein über eine Datenkarte und können nicht für Telefonate verwendet werden. Allein unsere Gebietsverantwortlichen können zusätzlich mit dem Blackberry telefonieren.

ITM: Gibt es weitere Bereiche, in denen Sie mit der Deutschen Telekom zusammenarbeiten?
Falke:
Gemeinsam mit dem IT-Dienstleister haben wir im vergangenen Jahr ein Unified-Communications-Projekt (UC) durchgeführt und unsere gesamte Telefonie auf Voice over IP (VoIP) umgestellt.

Softwareseitig nutzen wir dabei den Cisco Unified Personal Communicator, kurz CUPC. Die UC-Lösung Microsoft Lync hatte es ebenfalls in unseren Auswahlprozess geschafft. Als wir jedoch die Bedienbarkeit und Leistungsfähigkeit beider Systeme miteinander verglichen, haben wir uns für Cisco Systems entschieden. Zwar hätten wir die UC-Lösung von Microsoft gemeinsam mit unserem ERP-System Dynamics Nav dann aus einer Hand beziehen können, aber auch der Unified Personal Communicator lässt sich einfach in unsere vorhandene Umgebung integrieren. Heute können unsere Mitarbeiter aus jeder Applikation – sogar aus dem ERP-System – heraus telefonieren.

ITM: Wie lange dauerte die Einführung?
Falke:
Wir starteten im Juni 2011 und sind Anfang November mit der UC-Lösung live gegangen.

ITM: Welche Herausforderungen galt es im Projektverlauf zu meistern?
Falke:
Im Lager sind viele mobile Endgeräte im Einsatz. Mit den vorhandenen, älteren Routern stößt man bei VoIP schnell an seine Grenzen. Vor diesem Hintergrund ersetzen wir derzeit die Altgeräte durch neue WLAN-Router, die die Übertragung von Sprache besser unterstützen.

Darüber hinaus haben wir das Projekt international aufgesetzt und werden peu à peu alle Ländergesellschaften auf die UC-Technologie migrieren.  Sobald eine Telefonanlage im Ausland aus der Servicemiete läuft, wird auf UC umgestellt. Auch bei diesem Schritt werden wir von der Deutschen Telekom begleitet.

ITM: Um wie viel günstiger als bisher ist das Telefonieren mit VoIP?
Falke:
Für die Internettelefonie selbst fallen zunächst keine Gebühren an. Allerdings benötigt man für externe Anrufe einen Zugang ins normale Telefonnetz, um dann wiederum im Festnetz telefonieren zu können. Alle internen Telefonate sowie Gespräche mit Partnern, die ebenfalls auf VoIP setzen, können bei uns nun kostenfrei erfolgen. Und nutzt man unterwegs sein mobiles Endgerät über WLAN, erfolgt das Telefonat ebenfalls kostenfrei.

ITM: Im Rahmen von UC-Projekten findet meist nicht nur ein Austausch alter Telefonanlagen statt, sondern auch eine Neugestaltung der Kommunikationsprozesse. Wie lief dies bei Papstar ab?
Falke:
Für die interne Kommunikation nutzen wir inzwischen Instant Messaging und Präsenzstatus. Da wir zuvor ein hohes internes E-Mail-Aufkommen besaßen, das überdies enormen Speicherplatz benötigte, war es für uns wichtig, dass die Mitarbeiter intensiv chatten und damit weniger E-Mails versenden.

Auch die Präsenzmeldungen finden regen Zuspruch: Man erkennt sofort, ob ein Mitarbeiter im Haus ist, gerade telefoniert oder an einer Konferenz teilnimmt. Des weiteren können wir mit unserem UC-System Videokonferenzen durchführen – hierfür beziehen wir bereits Lizenzen für mehrere Mitarbeiter.

ITM: Nutzen Sie Ihre alten Telefongeräte oder telefonieren die Mitarbeiter verstärkt via Headsets?
Falke:
Derzeit nutzen die meisten Mitarbeiter ein Telefongerät an ihrem Arbeitsplatz, es gibt erst wenige, die ausschließlich mit Headsets über die Bildschirmapplikation telefonieren. Generell haben wir alles, was mit unserer alten Siemens-Telefonanlage zu tun hatte, komplett entsorgt – und dies mit großer Freude.

ITM: Warum?
Falke:
Weil der Service von Siemens in den vergangenen Jahren kaum noch erträglich war. Zwar waren die Mitarbeiter stets freundlich und kompetent, es dauerte allerdings extrem lange, bis sie zu uns kamen. Und was nutzt das Know-how der Servicemitarbeiter, wenn man vier Tage warten muss, um eine neue Telefonnummer einzurichten.

ITM: Unified Communications, Pick by Voice oder mobile Anwendungen – selten findet man bei Mittelständlern so viele innovative Technologien vor. Warum ist das bei Papstar anders?
Falke:
Wir zählen uns hinsichtlich der IT schon immer zu den Vorreitern. So waren wir hierzulande eines der ersten Unternehmen, das Terminalserver einsetzte. Der Beweis: Ein internationaler Konzern wie die Lufthansa informierte sich vor knapp neun Jahren bei uns in Kall darüber, ob die Terminal-Server-Technologie in der Praxis funktionieren kann.

Bereits damals bemerkten wir, wie schwierig es ist, eine dezentrale IT vorzuhalten und starteten die Zentralisierung. Mittlerweile halten wir alle Applikationen zentral in Kall vor und es gibt nur noch wenige Arbeitsplätze, die einen PC benötigen – das Gros des Personals arbeitet mit Thin Clients.

ITM: Die deutlich energieeffizienter sind ...
Falke:
Genau, und sie sind wesentlich sicherer als PCs, da die User keine externen USB-Sticks anbinden oder eigene CDs ablaufen lassen können. So wird ein Einfallstor für Schadsoftware ins Unternehmen geschlossen.

Ein weiterer Vorteil ergibt sich für die Verwaltung mobiler Endgeräte: Über einen speziellen Citrix-Client erhalten die Devices einen direkten Zugriff auf unsere IT. Egal, an welchem Ort man sich befindet, kann man auf seinen üblichen Desktop zugreifen, hat seine Lagerprozesse im Griff und kann Einblick nehmen, welche Aufträge gerade bearbeitet werden.

ITM: Wer treibt die IT-Projekte bei Papstar voran?
Falke:
Ich selbst in meiner Funktion als CIO und Logistikleiter, aber natürlich unterstützt und inspiriert durch die Fachabteilungen. Anfangs war ich bei Papstar als EDV-Leiter tätig. Als die IT mit der Zeit  zunehmend die Lager- und Logistikprozesse durchdrang, habe ich diesen Bereich mit übernommen. Inzwischen liegt die gesamte strategische IT-Ausrichtung in meinen Händen. Daneben gibt es einen Rechenzentrumsleiter, dem die operative Leitung der IT und natürlich die strategische Ausrichtung des Rechenzentrums obliegt.

Die Papstar Vertriebsgesellschaft mbH & Co. KG

  • Geschäftsfeld: Der Spezialist für verbraucherorientierte Sortimentskonzepte führt mehr als 7.000 Produkte, die in die Basis-Produktgruppen Einmalgeschirr und Serviceverpackungen, Verpackungsmittel, Hygieneprodukte, Gedeckter Tisch, Haushaltshelfer, Dekoartikel und -zubehör sowie Papeterie aufgeteilt sind. Papstar bietet Komplettlösungen für Handel, Industrie, Gastronomie, Schnellverpflegung und Endverbraucher.
  • Hauptsitz: Kall/Eifel
  • Gründung: 1979
  • Logistikkapazitäten: 70.000 Palettenstellplätze im Logistikzentrum Kall; automatisiertes Hochregallager; durchschnittlich rund 2.000 Palettenbewegungen pro Tag
  • Mitarbeiter: 1.600 in Deutschland; international 1.800 Mitarbeiter, inklusive aller Teilzeitkräfte

www.papstar.com

Gregor Falke

  • Alter: 54 Jahre
  • Familienstand: verheiratet, zwei Kinder
  • Beruflicher Werdegang: über den Groß- und Außenhandelskaufmann zum Programmierer; nach dem Wechsel zu Papstar zum Programmierleiter und Leiter der EDV
  • Derzeitige Position: Prokurist sowie CIO und Leiter Logistik (CLO) bei Papstar
  • Hobbys: mein 53 Jahre alter Trecker, Nordic Walking/Mountainbiking im heimischen Wald

Aktuelle Ausgabe

Titelinterview: App-Entwicklung
mit Lars Weiler und Fabian Dressler, Für Sie eG

IT-Sicherheit
Cyberkriminelle entdecken das Internet der Dinge

Fertigungsprozesse
MES: Motor für Industrie 4.0

Neue Wege des Arbeitens

Windows 8
Mit mehr Sicherheit besser - und flexibler

Das neue Office
Immer und überall produktiv

Internet Explorer
Der Webbrowser rückt in den Fokus

Interview mit Lars Weiler und Fabian Dressler, Für Sie eG

Im Rahmen einer Warenbörse der Für Sie Handelsgenossenschaft eG erhielten die Teilnehmer für die direkte Warenbestellung ein Tablet ausgehändigt – inklusive einer auf Microsoft Windows 8 basierenden App. Worauf es bei der App-Entwicklung ankam, erklären IT-Leiter Lars Weiler (li.) sowie Projektleiter Fabian Dressler im Interview...mehr lesen »

IT Mittelstand Newsletter
IT-Sicherheit: Cyberkriminalität & das Internet der Dinge

Die Verbreitung des „Internet der Dinge“ und bringt neue Möglichkeiten hinsichtlich automatisierter Kommunikation und effizienterer Produktionsprozesse mit sich. Gleichzeitig dient die zunehmende Vernetzung von Produktionsanlagen, aber auch die von Alltagsgegenständen wie z.B. Kühlschrank oder Fernseher mit dem Internet als neues Einfallstor für Cyberkriminelle. Auch mittelständische Unternehmen sind hier ein beliebtes Opfer...mehr lesen »

Die Produktion wird selbstständig

Das bislang gängige Bild einer industriellen Produktion ist der Mensch an der Maschine, der die Steuerung übernimmt. Zukünftig sollen diese Anlagen die Planung, Steuerung und Kontrolle selbstständig übernehmen – so die Idee hinter dem Projekt „Industrie 4.0...mehr lesen »