04.08.2011
Branche, Energieeffizienz
Von: Ina Schlücker

Burkhard Weßler, Raritan

"Serverräume sind evolutionär gewachsen"

Interview mit Burkhard Weßler, Geschäftsführer Raritan Deutschland GmbH


Burkhard Weßler, Geschäftsführer bei Raritan Deutschland

ITM: Wie kann ein mittelständisches Unternehmen sein Rechenzentrum bzw. seinen Serverraum schnell und ohne große Kosten energieeffizienter machen?
Burkhard Weßler:
Unsere Erfahrung zeigt, dass gerade Serverräume und Rechenzentren in der mittelständischen Wirtschaft über Jahre evolutionär gewachsen sind. Dies führt meist dazu, dass die einzelnen Komponenten wie Lüftung, Kühlung sowie Anzahl und Art der Rechner und Router kaum aufeinander abgestimmt sind. Kühlung und Lüftung zeichnen für mehr als 50 Prozent des Energieverbrauchs in einem typischen Rechenzentrum verantwortlich. Hier liegen die am einfachsten zu realisierenden Einsparpotentiale im Ändern der Luftströme mittels Türen, Jalousien oder Abdeckbleche und wiederholtes Messen. Selbstverständlich müssen Temperaturen an kritischen Stellen gemessen werden, andernfalls sind Optimierungen nie zielführend.

ITM: Am Markt gibt es dedizierte Software für das Energiemanagement in Rechenzentren. Was können solche Tools leisten?
Weßler:
Software kann wertvolle Hilfe bei der Modellierung und Steuerung des Rechenzentrums liefern, jedoch nur wenn reale gemessene Daten aus dem Rechenzentrum berücksichtigt werden. Ohne Daten über Temperaturen und Stromverbrauch zum Beispiel ist jede Software genau so blind wie der Operator.

ITM: Inwieweit lohnt sich der Einsatz von Tools für das Energiemanagement bereits für mittelständische Unternehmen mit kleineren Rechenzentren bzw. Serverräumen?
Weßler:
Ein simples Werkzeug zur Stromüberwachung des Serverschrankes lohnt sich für jeden Anwender, der neue Technik installieren muss und nicht Gefahr laufen möchte, dass der letzte angeschaltete Server genau ein Server zu viel für die Stromversorgung war.

ITM: Wie viel müssen die Kunden durchschnittlich für solche Tools bezahlen?
Weßler:
Sinnvolle Lösungen zur Strom- und Temperaturüberwachnung für kleinste Anlagen sind für deutlich unter 1.000 Euro erhältlich und liefern schon wertvolle Informationen zur Steuerung eines Rechnerraumes.

ITM: Wie kann man im RZ insbesondere in den Bereichen Kühlung und Klimatisierung für sinkende Energiekosten sorgen?
Weßler:
Weniger Kühlung bedeutet weniger Stromverbrauch. Eine Steuerung der Kühlanlage anhand der effektiv erreichten Serverumgebungstemperaturen minimiert schon den Kühlaufwand. Dies geht natürlich nur, wenn permanent überwacht wird, dass immer noch genügend gekühlt wird, um die Verfügbarkeit der Rechentechnik nicht zu gefährden. Die hohe Kunst des Energiekostenmanagements bei Kühlung liegt in der Abstimmung aller Komponenten und deren optimalen Arbeitspunkte untereinander. Dies beinhaltet dann auch Optimierungen der Rechenbelastung von bestimmten Servern vor dem Hintergrund der entstehenden Wärmeabgabe.

ITM: Welche Technologien werden das Rechenzentrum der Zukunft maßgeblich energieeffizienter machen?
Weßler:
Die Energieeffizienz von Rechenzentren ist erst seit wenigen Jahren im Fokus des Managements. Wir beobachten heute, dass vielerorts immer noch nicht einfachste Verbesserungen der Energieeffizienz in Rechenzentren durchgeführt werden – aus Angst um die Zuverlässigkeit der unternehmenskritischen Ressource IT. Informiertes Handeln aufgrund von Daten kann hier schon sehr helfen. Die Hersteller bemühen sich auf allen Ebenen, vom Silizium bis zu den Rückkühlanlagen, um effizientere Technologien. Die sogenannte Freikühlung – d.h. das Kühlen mit Umgebungsluft ohne spezielle Kühlaggregate in Verbindung mit der Ausnutzung der erlaubten Umgebungstemperaturbereiche – ist ein besonders vielversprechender Ansatz, gerade im vergleichsweise kühlen Deutschland. Eine Herausforderung von Freikühlung ist dabei, trotz Schwankungen der Außenlufttemperatur im Rechenzentrum innerhalb vorgegebener Temperatur- und Feuchtigkeitsfenster zu bleiben. Dies geht wiederum nur mit entsprechender Mess- und Überwachungstechnik.


WEB-Special

SBS Software
dem prüfer einen schritt voraus


Mittels professioneller Werkzeuge kann sich ein Prüfer heutzutage recht schnell einen Überblick über komplexe Datenbestände verschaffen, um steuerlich relevante Sachverhalte....
   
mehr lesen »

            

             

Aktuelle Ausgabe

Titelinterview
mit Ralf Ahamer, Vorstand der Hotel.de AG

Software
DMS: Durchblick im Dokumenten-Dickicht

Infrastruktur
Sicherheit: Ausspioniert und ausgeraubt!

Ralf Ahamer, Vorstand der Hotel.de AG

Interview mit Ralf Ahamer, Vorstand der Hotel.de AG für Marketing, Produktmanagement und IT über über den Einfluss von Mobilität und Social Media auf das Konsumentenverhalten... mehr lesen »


Durchblick im Dokumentendickicht

Die Informationsflut in den Unternehmen steigt ununterbrochen. Auch Mittelständler haben mit
ihr zu kämpfen und setzen vermehrt auf ent-
sprechende Dokumentenmanagementsysteme (DMS). Doch was ist hier sinnvoller – der Einsatz einer Inhouse-Lösung oder die Cloud-Variante?... mehr lesen »


Ausspioniert und ausgeraubt!

Nicht nur für Großkonzerne, sondern auch im Mittelstand stellt das Thema Industriespionage ein immer größeres Problem dar. Warum gibt es noch immer so viele Sicherheitslücken in der Unternehmens-IT und wo kommen die Angreifer her?... mehr lesen »