Kunstobjekte sind auch online gefragt
Düsseldorf, im Juni 2010 – Das internationale Kunsthaus Artes und die Versandgalerie Ars Mundi etablierten den E-Commerce in der Kunstbranche. Seit Ende 2009 haben die beiden mittelständischen Unternehmen zwei Onlineshops, die als MultiSites auf der On-Demand-Plattform des Düsseldorfer E-Commerce-Unternehmens Xsite laufen.
Besonderer Wert wurde auf die Nutzerfreundlichkeit gelegt, heißt es. Funktionen wie die Komfortsuche und ein eigenes Wörterbuch sollen Kunstinteressierten eine gute Orientierung und Mehrwert bieten. Rund 10.000 Objekte vertreibt das Kunstversandhaus Ars Mundi: Originale internationaler Künstler, handsignierte Lithographien, Museumsreplikate bis hin zum Kunsthandwerk. Den Grundstein für das Unternehmen legte Max Bernhard Büchner, der nach dem Krieg einen Versandbuchhandel gründete und darüber wertvolle Editionen wie z.B. den Hundertwasser-Brockhaus anbot. Im Verlauf der über sechzigjährigen Unternehmensgeschichte löste dann allerdings die Kunst die Bücher ab.
Im 21. Jahrhundert gingen die vertrieblichen Überlegungen von Dr. Max Büchner verstärkt in Richtung Online-Handel. Büchner ist seit elf Jahren in dritter Generation Geschäftsführer von Ars Mundi und seit 2004 Geschäftsführer von Artes, dem Kunsthaus für Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts. Allerdings erwies sich der Erststart im Jahr 2000 im Nachhinein als wenig geglückt. Damals eröffnete Ars Mundi einen Onlineshop, das Kunsthaus Artes stieg 2005 mit der gleichen Software in den E-Commerce ein. Die Produktseiten der beiden Shops konnten jedoch nicht für die Auffindbarkeit in Suchmaschinen optimiert werden, die Konversionsrate war schlecht.
Laufende Weiterentwicklung
Das Ergebnis: Im Jahr 2009 fand ein Großteil der Geschäfte mit den Kunstwerken offline statt. Deshalb wurde Mitte 2009 die Umstellung der bisherigen Onlineshops auf eine neue E-Commerce-Plattform beschlossen. Für Büchner stand dabei fest, dass eine herkömmliche Shop-Software für den Relaunch nicht in Frage käme. „Wir suchten nach einer Lösung, die ständig weiterentwickelt wird und auf neue Nutzeranforderungen schnell reagieren kann.“ Auch sollte der Lösungspartner über umfassendes Marketingwissen verfügen und dieses mit in das Projekt einbringen.
Die Wahl fiel nach einem Vergleich mit drei weiteren Anbietern auf die Düsseldorfer Xsite GmbH und deren On-Demand-Geschäftsmodell. Das Unternehmen stellt die E-Commerce-Plattform inklusive der Shop-Software und Infrastruktur bereit, baut das gesamte E-Commerce-Projekt auf, betreibt und wartet es. Dabei wird der Shop laut Anbieter technisch und konzeptionell laufend weiterentwickelt.
Gemeinsame Administration
Die neuen Onlineshops der beiden Unternehmen laufen seit Ende letzten Jahres als MultiSites auf dieser Plattform. Der Kunsthändler nutzt die Lösung zur gemeinsamen Administration beider Shops. Produktdaten, Bilder und Preise werden zentral gepflegt und stehen unter beiden URLs zur Verfügung. Als kompliziert erwies sich bei der Umstellung auf die neuen Shops die Verschlagwortung, heißt es, und als aufwändig die Erstellung der Komfortsuche mit ihren Filterfunktionen.
Denn der Kunde kann sowohl bei www.arsmundi.de als auch bei www.kunsthaus-artes.de zwischen Epochen, Künstlern und Produkten wählen. Die Künstler sind alphabetisch aufgeführt. Die Suche bei „Epochen“ startet mit der Steinzeit, dann über das Mittelalter bis ins 21. Jahrhundert. Entscheidet sich ein Besucher für eine Komfortsuche nach Produkten, soll er die Auswahl zwischen 27 Rubriken von Automobilen über Götterbildnisse, Interieur/Wohnen, Schmuck, Skulpturen bis hin zu Teppichen haben. Ebenfalls hilfreich und informativ sei das Kunstwörterbuch mit Erläuterungen zu den wichtigsten Techniken, Epochen und Fachbegriffen.
Exklusive Inhalte
Mit diesen speziellen Suchfunktionen und dem Wörterbuch haben die beiden Kunstversandshops zugleich exklusive Inhalte geschaffen, die eine „Unique Selling Proposition“ (USP) für die Seite bedeuten. Zu jedem Artikel können Fragen gestellt werden und bei der individuellen Auswahl lässt sich die Darstellung der Objekte nach Preis oder Künstler sortieren. Außerdem können ausgewählte Kunstobjekte, so heißt es, auf einen Merkzettel gesetzt oder an Freunde und Bekannte empfohlen werden.
Das Geschäftsmodell von Xsite, bei dem laut Anbieter keine festen Lizenzgebühren berechnet werden, hält Dr. Büchner für einen „sinnvollen Ansatz“. Denn nach dem Setup-Projekt fallen für die beiden Onlineshops nur noch die transaktionsbasierten Gebühren an, d.h. gezahlt wird erst ab der ersten Internetbestellung. „So wird der E-Commerce-Anbieter zum Mitunternehmer und hat selbst ein großes wirtschaftliches Interesse an unseren Shops“, merkt der Wirtschaftswissenschaftler Büchner an. Die leistungsfähige und skalierbare Plattform wachse dynamisch mit den Anforderungen. Ein Major Release mit neuesten Features werde alle sechs Monate im laufenden Betrieb eingespielt.
Gute Chancen
Die Entwicklung der Plattform bei Ars Mundi und Artes läuft derzeit noch weiter. Aktuell sind die Schnittstellen von der Plattform zur Warenwirtschaft noch an die speziellen Anforderungen der Kunstversender anzupassen. Denn die Kunden- und Bestelldaten müssen angesichts der Transaktionshöhen bis aufs i-Tüpfelchen genau sein. Überzeugt ist der erfolgreiche Kunsthändler nach eigenen Angaben davon, dass die Chancen und Potenziale für den E-Commerce auf dem Kunstsektor gut sind: „Unser Schwerpunkt für das Jahr 2010 besteht darin, unser Online-Konzept im Marketing voranzutreiben und uns in der Webwelt stärker zu etablieren.“
Auch wenn es aktuell noch zu früh für eine Auswertung ist: Eine Frequenzsteigerung von zehn Prozent in den beiden Onlineshops gegenüber dem Vorjahr soll bereits spürbar sein, nicht zuletzt wegen der neuen Möglichkeiten: So können Online-Kunden bei Artes über die exklusiven Unikate und die letzten verfügbaren Exemplare begehrter Editionen hinaus auch noch besondere Angebote wahrnehmen. Ein weiterer Vorteil: Neue Editionen werden zunächst im Webshop präsentiert. Für Sammler kann dies ein entscheidender Zeitvorteil sein, um ein begehrtes Objekt zu erwerben. „Wir haben festgestellt, dass das Internet bei unserer Zielgruppe, der Generation 45 plus, mit überdurchschnittlichem Bildungs- und Einkommensniveau angekommen ist“, so Dr. Max Büchner.
Von: Sven Ehrmann
Checkliste für erfolgreichen E-Commerce