Umfangreicher Kriterienkatalog als Basis
Interview mit Rüdiger Ohlsen, Prokurist und Bereichsleiter kaufmännische Services, Bereichsleiter Verkehr bei der Stadtwerke Neumünster SWN Beteiligungen GmbH

Rüdiger Ohlsen, Stadtwerke Neumünster
ITM: Herr Ohlsen, welche IT-Prozesse im Unternehmen haben Sie ausgelagert und warum?
Rüdiger Ohlsen: Die Stadtwerke Neumünster haben den gesamten IT-Betrieb einschließlich Endgeräte wie PCs, Drucker, Netzwerk und Server ausgelagert. Die Hauptgründe für diese Auslagerung sind die Reduktion von Betriebsrisiken und die Konzentration auf IT-Services mit höherer Wertschöpfung. Nicht ausgelagert haben wir den Endanwendersupport durch unseren Service Desk. Hier sahen wir das Risiko, den Kontakt zu unseren Kunden zu verlieren.
ITM: Nach welchen Kriterien haben Sie Ihren Dienstleister ausgewählt?
Ohlsen: Basis für die Entscheidung war ein umfangreicher Kriterienkatalog, der neben der fachlichen Qualifikation auch Rahmenbedingungen wie wirtschaftliche Kompetenz, Flexibilität, Innovationsfähigkeit und natürlich auch die finanziellen Aspekte berücksichtigte. Uns war auch besonders wichtig, einen Partner zu finden, mit dem wir uns auf gleicher Augenhöhe befinden – also ein mittelständisches Unternehmen.
ITM: Wie groß war der finanzielle, personelle und zeitliche Aufwand?
Ohlsen: Insgesamt haben wir für die Vorbereitung, Vorauswahl und die finalen Verhandlungen etwa zehn Monate benötigt. In diesem Zeitraum waren drei interne Mitarbeiter und ein externer Berater intensiv in den Prozess eingebunden.
ITM: Inwieweit hat sich das Outsourcing für Sie bewährt?
Ohlsen: Zum jetzigen Zeitpunkt kann ich hierzu noch keine Aussage treffen, da wir uns mitten in der Verlagerung der IT-Services zum Dienstleister befinden.
ITM: An welchen Stellen haben Sie die Kontrolle komplett aus der Hand gegeben?
Ohlsen: Der Dienstleister trägt die Verantwortung für einen SLA-konformen Betrieb und hat somit auch die Architekturhoheit. Insoweit können wir hier keine verbindlichen Vorgaben machen. Allerdings haben wir uns im Rahmen der Auswahl von der Architekturkompetenz des Dienstleisters überzeugt.
ITM: Wäre auch Cloud Computing eine Alternative für Sie?
Ohlsen: In bestimmten Bereichen wäre eine „Private Cloud“ durchaus interessant, um kurzfristig höhere Kapazitätsbedarfe, ich denke hier z.B. an unsere Abrechnungsläufe, decken zu können. Allerdings habe ich aus datenschutzrechtlichen Gründen große Bedenken.
ITM: In welchem Fall würden Sie die IT zurück ins eigene Unternehmen holen?
Ohlsen: Ein Insourcing käme aus heutiger Sicht in folgenden Fällen für uns in Betracht: Die mit der Auslagerung verbundenen Ziele nach Betriebsstabilität und auch bessere Unterstützung der Geschäftsprozesse können nicht erreicht werden. Die Wirtschaftlichkeit ist nicht mehr gegeben.
ITM: Was sollten mittelständische Unternehmen generell beim Outsourcing beachten?
Ohlsen: Da wir noch am Anfang der Auslagerung stehen, können wir derzeit noch nicht abschätzen, ob wir alles richtig gemacht haben. Ich bin allerdings davon überzeugt, dass erstens eine kompetente Unterstützung durch ein erfahrenes Beratungsunternehmen und zweitens ausreichend Zeit für die Auswahl des geeigneten Dienstleisters unabdingbar sind.
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